Sex-Täter finden ihre Opfer im Netz - Kinderschutz notwendig

Jutta von Weiler und Andreas Ruff (vorne 4. und 3. v. r.), die Referenten beim Fachtag, zusammen mit den Bottroper Akteuren.
Jutta von Weiler und Andreas Ruff (vorne 4. und 3. v. r.), die Referenten beim Fachtag, zusammen mit den Bottroper Akteuren.
Foto: Michael Korte
  • Experten fordern einen besseren Schutz von Kindern im Netz
  • In den Schulen sollte nicht nur in digitale Medien investiert werden
  • Wichtig sind auch Medienkonzepte und die Weiterbildung der Lehrer

Bottrop. „Das Thema ist hochaktuell“, lobt Julia von Weiler, Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“ in Berlin die Bottroper Veranstalterinnen. Gestern war die Psychologin nämlich als Referentin beim Fachtag „Sexualisierte Gewalt in digitalen Medien“ zu Gast in Bottrop. Besonders gut gefiel ihr der Untertitel der Veranstaltung „Wenn die Freundschaftsanfrage zur Gewaltbeziehung wird“. Genau dieser Zusatz verdeutliche nämlich das Problem, erklärte Julia von Weiler. Veranstaltet hat diesen Fachtag – wie jedes Jahr – der Arbeitskreis „Gegen häusliche und sexualisierte Gewalt, Bottrop“.

Eine aktuelle Befragung in Schulen habe ergeben, erklärte die Berliner Referentin, dass es ein „riesiges Problem“ mit digitalen Medien in Schulen gebe und dass sich die Dimensionen total verändert hätten. „Es gibt unfassbar hohe Opferzahlen“, so die Psychologin. 72.000 Erwachsene hätten sexualisierte Onlinekontakte zu Kindern, wie ein Forschungsprojekt der Universität Regensburg ergeben habe. Da davon auszugehen sei, dass jeder Erwachsene zu mehr als einem Kind Kontakt habe, müsse man von Opferzahlen zwischen 1,5 und 3,6 Millionen Kindern ausgehen – bei vorsichtiger Schätzung, wenn man nur von zwei bis fünf Kontakten pro Täter ausgehe.

Täter können im Netz anonym bleiben

Wahrscheinlicher seien aber viel höhere Zahlen, fürchtet Julia von Weiler: „Das ist wie ins Bällchenbad plumpsen, da sind immer Bälle verfügbar.“ Sprich: Sobald Täter online sind, sind immer Kinder frei ansprechbar. „Das Smartphone ist die beständige Nabelschnur der Kinder.“ Das Risiko entdeckt zu werden, sei für die Täter vergleichsweise gering, weil sie sich anonym im Netz bewegten. Für Kinder und Jugendliche gebe es daher nur eine Warnung, so die Psychologin: „Sei immer total misstrauisch!“

Das sieht der zweite Referent des gestrigen Fachtages in Bottrop nicht anders: Andreas Ruff kommt vom Jugendamt der Nachbarstadt Essen, wo er Medienarbeit macht. Gerade eben erst haben dort die Medientage an Schulen stattgefunden. Seine Erfahrung: „Es wird aufgesogen, was wir zu bieten haben.“ Die Nachfrage sei groß, die Kapazitäten begrenzt. An den Schulen fehlen Medienkonzepte, Lehrern fehlt Fachwissen und Eltern sind besorgt. Sein Thema an Schulen ist auch, dass Kinder nicht nur Opfer, sondern oft auch Täter sind.

Referenten fordern Kinderschutz im Netz

Eine Forderung der Referenten ist, nicht nur in Ausstattung von Schulen mit modernen Medien zu investieren, sondern auch in Medienkonzepte und Weiterbildung von Lehrern und wirksamen Kinderschutz im Netz.

Medienkonzepte sind derzeit auch Thema an den Bottroper Schulen. Und so waren zu der gestrigen Veranstaltung auch die Lehrerinnen und Lehrer eingeladen. „Wir wollen die Multiplikatoren für das Thema sensibilisieren“, erklärt Silke Kutz vom Frauenzentrum Courage, das den Fachtag in diesem Jahr organisiert hat. Mit dabei war auch das Frauenforum Bottrop, dessen Vorsitzende Heidi Noetzel ist, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bottrop. Auch Ratvertreterinnen waren eingeladen und interessierte Bürger.

 
 

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