Schlimme Einsätze kann er nicht vergessen

Als Abteilungsleiter Technik war Detlev Kubla auch für die Beschaffung der Fahrzeug zuständig.
Als Abteilungsleiter Technik war Detlev Kubla auch für die Beschaffung der Fahrzeug zuständig.
Foto: WAZ FotoPool
Der stellvertretende Feuerwehrchef Detlev Kubla geht in den Ruhestand. Vorher hat er mit der WAZ über die Veränderungen im Berufsleben und Einsätze, die man so schnell nicht vergisst, gesprochen.

Bottrop..  An seinen schlimmsten Einsatz kann sich Detlev Kubla noch genau erinnern. Der stellvertretende Feuerwehrchef war damals eigentlich nicht einmal wirklich im Dienst. Er war unterwegs in offizieller Mission nach Münster. Dort sollte er die Bottroper Feuerwehr bei der Amtseinführung des Regierungspräsidenten vertreten. „Kurz vor Senden kamen wir dann in einen Stau. Ein Unfall. Dort hatte sich ein Wagen überschlagen.“Gemeinsam mit einem Kollegen eilt er zum Unfallort. Der Wagen liegt auf dem Dach, die Fahrerin ist eingeklemmt, ihre Hand sitzt zwischen Dach und Lenkrad fest, die Frau ist aber ansprechbar. Die vier anderen Insassen, ihre Eltern und ihre Kinder, sind tot. „Mit einer Brechstange und einem Feuerlöscher haben wir versucht, die Insassen zu befreien“, erzählt Kubla. „Das sind Erinnerungen, die kommen heute noch hoch, wenn ich nach Münster fahre.“

Traumberuf Lokomotivführer

Gedanken wie diese, sie kommen in Zeiten des Abschieds automatisch. Denn am Donnerstag feiert Kubla seinen Ausstand. Mit 60 Jahren gehen Feuerwehrleute in den Ruhestand. So will es das Gesetz. Damit endet die Berufslaufbahn des stellvertretenden Amtsleiters und Leiter der Abteilung Technik. Dabei war Feuerwehrmann gar nicht sein Traumberuf, gibt Kubla zu. „Ich wollte immer Lokomotivführer werden.“ Schon als Kind sei er regelmäßig zum Bahnübergang gelaufen um der Zechenbahn hinterher zu schauen. Zur Feuerwehr kam er 1972 eher durch Zufall. „Freunde waren bei der Freiwilligen Feuerwehr in der Boy und haben davon geschwärmt. So bin ich dazu gekommen.“ Zunächst freiwillig bei der Ortswehr Boy, später hauptberuflich. 1980 beginnt seine Laufbahn bei der Berufsfeuerwehr in Wuppertal, 1993 der Wechsel als stellvertretender Amtsleiter in seine Heimatstadt Bottrop.

Immer neue Herausforderungen

Dass er nicht Lokomotivführer geworden ist – er hat es nie bereut. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er rückblickend. Kein anderer Beruf sei so interessant, so abwechslungsreich. Das Klischee vom lebenslangen Lernen – bei der Feuerwehr treffe es voll zu. Immer wieder stände die Feuerwehr vor neuen Herausforderungen – im Rettungsdienst genauso wie im Brandschutz. Ein Beispiel: Der Umgang mit Photovoltaikanlagen.

Als besonders kritisch bezeichnet er im Rückblick einen Einsatz an der Abfahrt der A42. Dort war ein Tanklaster, beladen mit Benzin umgestürzt. „Es gab keine Möglichkeit, an die Ventile zu kommen, wir konnten das Benzin nicht abpumpen. Stundenlang waren die Retter bei sengender Hitze im Einsatz, mussten letztlich die Tankklappen öffnen, und so das Benzin ablassen. „Wir haben in Benzin gebadet“, erinnert sich Kubla. Federführend bei dem Einsatz war die Feuerwehr Oberhausen. „Mit meinem Kollegen haben wir jeden Schritt abgesprochen und jeden Befehl auch an die Leitstelle gefaxt.“ So hätte man – im schlimmsten Falle – nachvollziehen können, wo der Fehler lag.

Jetzt genießt er seinen Ruhestand, will vor allem Reisen. Der erste Trip ist geplant. Das Ziel? „Kuba.“

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