Quer durch Epochen und Kulturen

Anna - Maria Hefele aus  Salzburg spielt  Obertonmusik in der Martinskirche. Auf dem Foto spielt sie eine Nyckelharpa ; das ist zu Deutsch eine Schlüsselfidel . Rechts im Bild eine böhmische Hakenharfe.
Anna - Maria Hefele aus Salzburg spielt Obertonmusik in der Martinskirche. Auf dem Foto spielt sie eine Nyckelharpa ; das ist zu Deutsch eine Schlüsselfidel . Rechts im Bild eine böhmische Hakenharfe.
Foto: WAZ FotoPool

Als Initiator, Organisator und Kurator der Konzertreihe „Obertöne vor Ort“ hat sich Werner Worschech in der ev. Martinskirche in der Innenstadt Begegnungen mit internationalen Solisten und Ensembles erschlossen, die – wie er selbst als Interpret auch – sich diesem scheinbaren Spezialgebiet widmen. Diesmal gastierte die Österreicherin Anna-Marie Hefele.

Spezialgebiet? Dabei handelt es sich bei den Obertönen um ein schon im Mittelalter gern benutztes Klangsystem, um die bei einem Grundton mitklingenden Farben deutlich vernehmbar zu machen. Das ist einer der Reize dieser Musik: die Lebendigkeit dieser harmonischen Nuancen quer durch die Kulturen und Epochen zu unterstreichen. Das jüngste Konzert bestritt die vielseitige Österreicherin Anna-Maria Hefele, die ungewöhnliche Instrumente ebenso bedient wie ihre obertonreiche, feine Stimme.

Das Auditorium, bei dem der Bottroper Worschech längst auf ein regionales Echo trifft, reagierte nach knapp 90 Minuten mit starkem Beifall. Und die Salzburger Solistin dankte mit einer Lied-Harfen-Zugabe.

Zu Gast auf der Almhütte

Anna-Maria Hefele erweitert das bisherige Musik-Spektrum dieser Reihe um alpenländische und spezifische Volksmusik ihrer Heimat. Man kommt sich manchmal bei m Lauschen ihrer emotional eingefärbten Interpretationen wie ein Gast auf einer hoch droben auf dem Berg gelegenen Almhütte vor. Sogar kleine Jodel-Elemente baut sie in die Lieder ein, die sie dem Musikschatz Österreichs entliehen hat.

Bei dieser Künstlerin überrascht allerdings weniger die ebenso virtuose wie schlichte Stimme, sondern mehr noch die Wahl ihrer Instrumentalbegleitung. Dabei benutzt sie beispielsweise eine alte Harfe und die (eigentlich in Schweden) beheimatete Nyckelharpa, ein auf den Knien liegendes Zupf- und Streichinstrument, das eine klangliche Nachbarschaft zu Cello oder Bratsche besitzt. Das Interesse an mittellalterlichen Instrumenten kommt bei Anna-Maria Hefele nicht von ungefähr: Sie stammt aus einer österreichischen Instrumentenbauer-Familie.

Etliche Eigenkompositionen

In den rund 15 Stücken, darunter auch etliche Eigenkompositionen, mischt sie Lieder und Bach-Partiten, Harfengesänge und Hildegard-von-Bingen-Gebete. Eine alternative Welt, fernab von der Hektik unserer Alltagsrealität, erweckt sie durch ihre Meditationen zu neuem Leben. Man hört mitten in die „klingende“ Seele hinein. Grandios!

Werner Worschech führt sein Oberton-Programm in diesem, inzwischen immerhin achten Jahr weiter. Er hofft auf Sponsoren und Förderer.

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