Pumpwerk bietet Schutz vor Hochwasser

Betriebsingenieur Carsten Meybohm erklärt der Besuchergruppe der WAZ, wie die Pumpen im Inneren der Maschinenhalle des Pumpwerks Boye A funktionieren. Er nimmt Bezug auf die Technik, den Antrieb und die Möglichkeiten des Vorgangs.
Betriebsingenieur Carsten Meybohm erklärt der Besuchergruppe der WAZ, wie die Pumpen im Inneren der Maschinenhalle des Pumpwerks Boye A funktionieren. Er nimmt Bezug auf die Technik, den Antrieb und die Möglichkeiten des Vorgangs.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Zwischen B224 und der Welheimer Mark befördern große Maschinen das Wasser der Boye in die Kläranlage oder in die Emscher. Ohne den Bau wäre die Region bei Starkregen gefährdet.

Bottrop.  Die Welheimer Mark hat sich bei Starkregen noch nicht in eine Seenlandschaft verwandelt: Dafür sorgt das Hochwasserpumpwerk der Emschergenossenschaft an der B224, das am Mittwoch eine WAZ-Lesergruppe besichtigen konnte. Die Besucher nahmen an einer Führung teil, die sie zu den Maschinenhäusern „Boye A“, „Boye B“ und zum Ableitgraben führte. Die zehn Teilnehmer erfuhren, dass die beiden gigantischen Pumpwerke das Wasser der Boye schnellstmöglich in die anliegende Kläranlage oder wahlweise direkt zur Emscher befördern. Und das, bevor es die Region überfluten oder Schäden verursachen kann.

„Der Bergbau hat die Landschaft stark beeinflusst, ganze Stadtteile sind bis zu 30 Meter abgesackt“, betonte der Sprecher der Emschergenossenschaft Ilias Abawi. „Es haben sich Mulden gebildet, die verhindern, dass Bäche normal abfließen können“, ergänzte er, während er seinen Blick auf die Anlage richtete. Bei starken Regenfällen müsste sich das Wasser auf anderem Weg ausbreiten, würde es nicht auf ein höheres Niveau gepumpt. „Dafür sorgt dieses Pumpwerk – zuerst Boye A, dann Boye B bei Starkregen. Es ist eine Ewigkeitskonstruktionen, die Kosten trägt die RAG.“

Die Gäste blickten gespannt über das Außengeländer und begutachteten die fünf großen Kammern der Boye A, von denen aus das Wasser befördert wird. Sie erfuhren: Die ersten beiden Maschinen sind immer im Einsatz; sie leiten das Abwasser direkt in die Kläranlage. Die dritte Kammer könne Wahlweise hinzugeschaltet werden. Kammern vier und fünf sprängen ab einem gewissen Wasserstand automatisch an . Abawi: „Das Pumpwerk Boye A ist gänzlich automatisiert. Insgesamt kann es 10 000 Liter Wasser pro Sekunde fördern, wenn alle Maschinen laufen.“

Mehrere große grüne Rohre, die riesigen Gerätschaften und Motoren gerieten in der Maschinenhalle ins Blickfeld, während die Besucher eine lange Treppe zum Herz des Baus herunterliefen. Betriebsingenieur Carsten Meybohm erläuterte: „Auf der einen Seite der Mauer wird angesaugt, erst dann wird gepumpt.“ Es gebe eine sogenannte Rücklaufklappe, die bei Stillstand dafür Sorge trage, die Wassersäule auf einer Stelle zu halten. Der Betriebsmeister Ernst Selke nahm Bezug auf den Kostenfaktor der Anlage, bevor es zur Boye B ging: „Die verbrauchte Energie ist das, was am kostspieligsten ist.“ Geschätzt zweieinhalb Millionen Kilowattstunden werden im Jahr vor Ort verbraucht.

An Boye B angekommen, staunten die Interessierten, als sie erfuhren, dass die „Notfallanlage“ sogar bis zu 32 000 Liter Wasser pro Sekunde – über vier Pumpen – fördern könne. „Das ist nur über verbaute Schiffsschrauben möglich, die riesige Mengen Wasser fördern Die Pumpen müssen aber per Hand angeschaltet werden“, so Meybohm. In den nächsten Jahren ist geplant, auch hier mit einer automatisierten Pumpe nachzubessern.

Leser richten Fragen an die Experten 

Die Leser hatten einige Fragen mitgebracht, die sie an die Experten der Emschergenossenschaft richteten: „Wie viel Vorwarnzeit bleibt, wenn es zu einem Ernstfall kommt?“, wollte ein interessierter Besucher wissen. Bauingenieur Meybohm: „Wir haben, bevor Hochwasser ausbricht, knappe 45 Minuten Vorwarnzeit. Die moderne Technik macht eine frühe Einschätzung der Lage möglich, so dass das Pumpwerk Boye B auch noch von Hand eingeschaltet werden kann, bevor das Wasser über die Pegel steigt.“ Ein anderer Gast erkundigte sich nach den Eventualitäten bei einem Stromausfall. Die Antwort lautete: „Wir haben zwei separate Stromeinspeisungen. Wenn der Strom des einen Versorgers ausfällt, dann springt die andere Einspeisung ein. Es gibt zusätzlich noch ein Notfallsystem für alle Fälle.“

Die nächste Frage zielte auf die Mitarbeiter und Arbeitszeiten ab: „Ist die Anlage durchgängig unter Aufsicht?“ Meybohm: „Ja und nein. Sie läuft die meiste Zeit automatisch und wird von uns überwacht. Das Pumpwerk ist jedoch nicht 24 Stunden am Stück besetzt. Wir sind zum großen Teil für die Kontrolle und Wartung der Maschinen zuständig. 90 Prozent der Arbeiter, die hier beschäftigt sind, sind gelernte Elektrofachkräfte.“

Einer der Gäste wollte wissen, wann Boye A und Boye B errichtet worden sind. „A gibt es seit 1958, das andere wurde 1971 gebaut. Bestimmte Pumpen kamen erst später hinzu“ Abawi erklärte zu Beginn der eindrucksvollen Führung: „Das Hochwasserpumpwerk an der Boye ist das größte Pumpwerk der Emschergenossenschaft – das soll etwas heißen.“

 
 

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