Plötzlich ins Leben gerissen...

Die Frühchen - Station der Kinderklinik Marienhospital. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Die Frühchen - Station der Kinderklinik Marienhospital. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
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Bottrop.  Zu früh, zu klein, zu leicht: Genüsslich räkelt sich der kleine Franjo im Kissen auf dem Schoß seiner Mutter Katrin Pirc. Vor rund 12 Wochen erblickte er in der 23. Schwangerschaftswoche - und mehr als vier Monate zu früh - das Licht der Welt, nur 480 Gramm leicht und 27 Zentimeter klein. Franjo ist eines von bereits zehn Frühchen, die in diesem Jahr im Perinatalzentrum des Marienhospitals hochgepäppelt werden.

Eigentlich verlief die Schwangerschaft von Katrin Pirc ganz normal. „Doch plötzlich wurde ich nachts wach, hatte zwar keine Schmerzen, wusste aber trotzdem sofort: Das sind Wehen“, erinnert sich die junge Mutter. „Und im Nu war ich im Krankenhaus.“ Eine bakterielle Infektion und die vorzeitige Öffnung des Muttermundes sorgten dann dafür, dass Franjo in der 23. Schwangerschaftswoche und viel zu früh ins Leben gerissen wurde. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Plötzlich war mein Kind da, es war absolut still, und ich hatte Angst hinzuschauen“, erzählt die 31-Jährige bewegt. „Vor der Geburt hatten die Ärzte unserem Kind keine Überlebenschance gegeben, aber dann war da doch ein kurzer Laut.“

Nach diesem Frühstart ins Leben begann für Franjo der Kampf ums Überleben: Wie alle Frühchen hatte er große Probleme mit der noch glasigen und unreifen Haut. „Entsprechend der Devise des minimal handlings erfolgte daher nur die notwendigste Versorgung, um dieses größte Organ des Menschen nicht zu verletzen“, erklärt Dr. Martin Günther, Chefarzt der Kinderklinik. „Und da die Lunge nicht ausgereift war, musste Franjo auch beatmet werden.“

Die ersten Lebenswochen stellten den kleinen Franjo vor riesige Hürden. „Aber er hat sie von Anfang an gut gemeistert“, stellt Dr. Günther fest. Seine Eltern Katrin und Thomas Pirc wirbelten in dieser Zeit jedoch durch eine Achterbahn der Gefühle. „Wir wussten nie, was kommt und hingen zwischen Bangen und Hoffen. Infektionen warfen Franjos Entwicklung immer wieder zurück, alles war so unberechenbar“, beschreibt Katrin Pirc ihre Gefühle. „Und es war unbeschreiblich, Franjo vier Wochen nach der Geburt endlich hautnah beim Känguruhen zu spüren.“

Inzwischen aber ist Franjo über den Berg: Nach fast 12 Wochen misst er immerhin schon 38 Zentimeter und bringt 1610 Gramm auf die Waage, bis zu drei Stunden kommt er ohne Beatmung aus. Seine Mahlzeiten - achtmal täglich jeweils 33 Milliliter Milch - erhält das Frühchen noch über eine winzige Spritze und Magensonde. Atmung, Sauerstoffsättigung im Blut und Herzschlag werden weiterhin ständig überprüft. Mutter Katrin verbringt fast den ganzen Tag mit ihrem Sohn. „Die Station ist unser zweites Zuhause“, schmunzelt die junge Mutter und lobt die Fürsorge und Betreuung des Teams. Und mit jedem Gramm Gewichtszuwachs wächst auch der Optimismus der Eltern. „Inzwischen haben wir das Kinderzimmer gestrichen und auch die Möbel bestellt“, erzählt Katrin Pirc. Und in ihren Armen räkelt sich der schlafende Franjo einmal mehr, versucht ein Lächeln und seine Mutter strahlt: „Das ist Balsam für die Seele.“

 
 

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