Pfandringe für Leergut-Sammler auch in Bottrop

Ein Pfandring an einem Mülleimer in Bamberg. Die fränkische Stadt hat als erste solche Ringe an Abfalleimern angebracht. Im März endet der einjährige Pilotversuch und es wird Bilanz gezogen.
Ein Pfandring an einem Mülleimer in Bamberg. Die fränkische Stadt hat als erste solche Ringe an Abfalleimern angebracht. Im März endet der einjährige Pilotversuch und es wird Bilanz gezogen.
Foto: dpa
In einigen Städten sind Ringe an Mülleimern angebracht, in denen Flaschen gesammelt werden. Pfandsammler können sich bedienen. Eine Idee für Bottrop?

Bottrop.. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, hat sie sicherlich schon einmal gesehen. Menschen, die Pfandflaschen sammeln. Mancher greift dabei sogar in die Abfallbehälter und wühlt dort nach eventuell weggeworfenen Pfandflaschen.

Der Kölner Produktdesigner Paul Kreutz hat sich etwas einfallen lassen, um das Sammeln von Pfandflaschen zumindest etwas würdevoller zu ermöglichen. Er hat so genannte Pfandringe entwickelt. Die können an Abfalleimern angebracht werden, und Passanten können darin ihre Pfandflaschen abstellen, anstatt sie in den Müll zu werfen. Dann ist es Pfandsammlern möglich, die Flaschen mitnehmen, ohne im Müll zu wühlen.

Pilotprojekt in Bamberg

Die Stadt Bamberg hat als erste Mülleimer an belebten Plätzen mit solchen Ringen ausstatten lassen. Für Bottrop hat ÖDP-Bezirksvertreter Markus Stamm die Idee ins Spiel gebracht. Doch mit seinem Vorstoß, das Anbringen solcher Pfandringe zumindest einmal zu prüfen, scheiterte er im Sommer in der Bezirksvertretung.

Stamm wollte erreichen, dass die Verwaltung die Kosten prüft und überlegt, welche Standorte möglicherweise infrage kommen. Am liebsten hätte er sofort ein Pilotprojekt gestartet. Die Mehrheit im Bezirk war dagegen und auch nicht bereit, der Verwaltung zumindest die Beantwortung der Kosten- und Standortfragen aufzutragen.

DKP lehnte Antrag aus moralischen Gründen ab

So lehnte DKP-Vertreter Manfred Plümpe den Antrag aus moralischen Gründen ab. Es sei nicht hinnehmbar, das jemand auf diese Weise seinen Lebensunterhalt aufbessern müsse. Sicherlich ein Argument, das man teilen könne, sagt auch Markus Stamm. Doch werde nicht die Bezirksvertretung Mitte das Problem lösen können. Und es sei nun einmal Tatsache, dass Menschen Flaschen sammeln. „Warum also soll man ihnen das nicht in einer etwas würdevolleren Form ermöglichen“, fragte Stamm.

In Bochum wird es die Pfandringe im Bermuda-Dreieck geben

Andere Städte sind dem Bamberger Beispiel bereits gefolgt. In Bochum sollen im Party-Viertel Bermuda-Dreieck Pfandringe angebracht werden. Dort beziffert man die Kosten für einen Pfandring auf 120 Euro. Zusätzlicher Aufwand beim Leeren entstünde nicht, so das Ergebnis der Beratungen.

Auch nach dem Scheitern seines Vorstoßes sagt Stamm: „Ich halte die Pfandringe für sinnvoll. Vielleicht wäre ja eine Herstellung vor Ort, etwa in einer Werkstatt für Behinderte, möglich gewesen.“ Allerdings plane die ÖDP derzeit keinen neuen Anlauf. Vielleicht ergebe sich etwas, wenn Erfahrungen weiterer Städte vorliegen. Zusätzlich zum sozialen Aspekt verweist Stamm auf den Umweltgedanken. Mit Pfandringen würden die Flaschen dem Recyclingkreislauf zugeführt – egal, wer sich bediene. „Es können ja auch Kinder sein.“

Alternativ Aufkleber mit der Aufschrift „Das Pfand gehört daneben“ anzubringen, sieht Stamm kritisch. Hier fürchtet er Schmuddelecken. Außerdem sollten ja nicht alle Abfalleimer mit Pfandringen ausgestattet werden.

Nach Auskunft der Stadt gibt es rund 500 Mülleimer – und das seien nur jene, die von der Best geleert werden. Fünf verschiedene Typen seien installiert, so Verwaltungssprecher Andreas Pläsken.

Die Pfandring-Erfahrungen aus Bamberg

Im März hat die Stadt Bamberg einen einjährigen Pilotversuch gestartet und zwei Mülleimer mit den Pfandringen ausgestattet. Die Zwischenbilanz fällt positiv aus. Immer wieder stünden Flaschen in den Ringen, die dann mitgenommen würden, sagt Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt Bamberg. Die Konstruktion der Ringe verhindere, dass er zur Ablage von Müll missbraucht werde. „Außerdem können sie an verschiedenen Mülleimertypen angebracht werden“, sagt Ulrike Siebenhaar.

Auch beim Leeren der Mülleimer störten die Pfandringe nicht, berichtet Ulrike Siebenhaar aus den Bamberger Erfahrungen. Im März muss sich der dortige Rat erneut mit den Pfandringen beschäftigen. Die Stadtsprecherin geht davon aus, dass die bestehenden Ringe erhalten bleiben. Das weitere hinzukommen werden, glaubt sie nicht. Schließlich soll Armut gesellschaftlich bekämpft werden. Und Pfandringe sollten kein Deckmäntelchen werden, mit dem diese Aufgabe verhüllt werde.

Wären Pfandringe auch eine gute Idee für Bottrop? Schreiben Sie uns: redaktion.bottrop@waz.de oder per Post an: WAZ Bottrop, Osterfelder Straße 13, 46236 Bottrop.

 
 

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