Passmanns lädt Kolüsch ein

Doris Machoczek sorgt mit dafür, dass alle Gäste des Passmanns das Essen auch ofenfrisch erhalten.
Doris Machoczek sorgt mit dafür, dass alle Gäste des Passmanns das Essen auch ofenfrisch erhalten.
Foto: WAZ FotoPool

Die Dame mittleren Alters an dem großen, festlich gedeckten Tisch ist ein klein wenig aufgekratzt. Aber auch die Nachbarn ringsum reden fröhlich durcheinander. Eine richtig gut gelaunte Tischgesellschaft hat sich gestern Mittag in der Kultkneipe Passmanns eingefunden. Es sind die Gäste der Suppenküche Kolüsch. „Ich freue mich in jedem Jahr darauf“, sagt die Dame am Tisch. „Ich find’ das unwahrscheinlich toll, dass der Wirt das macht.“

Hilfe zurSelbsthilfe

Einmal in der Saison – nun schon zum sechsten Mal – lädt Passmanns-Betreiber Reimbern von Wedel-Parlow die Suppenküche Kolüsch in sein Restaurant in der Kirchhellener Straße ein und bewirtet all diejenigen, die sich niemals einen Restaurant-Besuch leisten könnten. „Das ist einmal wegen der guten Nachbarschaft“, erzählt Reimbern von Wedel-Parlow. Die ESB, die Evangelische Sozialberatung, die zusätzlich zur Beratung für Menschen in Wohnungsnot auch die Suppenküche Kolüsch in jedem Winter organisiert, habe ihre Räume ja direkt gegenüber dem Passmanns. „Ich unterstütze das Konzept der ESB, die Hilfe zur Selbsthilfe.“ Hilfsbedürftige würden nicht einfach irgendwie abgefertigt, sagt er anerkennend. „Da wird weit mehr gemacht. Da werden die Menschen wertgeschätzt; man versucht, sie wieder in ein geregeltes Leben zu bringen.“

Der Passmanns-Betreiber serviert -- wie in jedem Jahr – eine Lasagne nach Art des Hauses. Eine Köstlichkeit. Die Gäste genießen das Essen sichtlich. Als Dessert tischt der Hausherr in diesem Jahr „Spanische Vanille“ auf, ein lockerer, mit Schoko-Stückchen gespickter Kuchen, eine zarte Cremeschicht obendrauf.

Claudia Kretschmer, Leiterin der ESB, beobachtet die entspannte Atmosphäre an den Tischen. „Es ist schön zu sehen, wie aus einem Geschenk eine Tradition geworden ist“, sagt sie dankbar in Richtung des Gastgebers. „Wir versuchen ja auch am Unterberg eine Restaurant-ähnliche Atmosphäre zu schaffen, aber es ist doch etwas anderes, wenn wir in ein wirkliches Restaurant können“, sagt sie.

Die Bedienung, die die Mitarbeiter der ESB und etliche Helferinnen und Helfer übernehmen, funktioniert perfekt. Einer, er mithilft in der Suppenküche, ist Andreas Engel. Der 51-jährige ehemalige Bergmann ist arbeitslos, sucht händeringend nach Arbeit. Klappt aber nicht immer, bedauert er. Doch nur zu Hause herumsitzen, das ist seine Sache nicht. „Da komm ich doch viel lieber her und helfe“, sagt er und schenkt dabei Kaffee aus. Ein gelungener Tag, für alle Beteiligten.

 
 

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