„Paris ist wie eine große Theaterkulisse“

Eine Auswahl aus seiner umfangreichen Fotoserie „Paris 2013 noir et blanc“ zeigt Hans-Peter Keller ab Sonntag im „Passmanns“.
Eine Auswahl aus seiner umfangreichen Fotoserie „Paris 2013 noir et blanc“ zeigt Hans-Peter Keller ab Sonntag im „Passmanns“.
Foto: WAZ FotoPool
Hans-Peter Keller zeigt eine Auswahl seiner umfangreichen Fotoserie „Paris 2013 noir et blanc“ derzeit in „Passmanns Kulturkneipe“. Die offizielle Eröffnung ist Sonntag, kurz nach Schließung der Wahllokale.

Bottrop..  Auf Paris trifft sicher auch der Ausspruch zu, den Marlene Dietrich einmal über sich selbst machte: „Man hat mich zu Tode fotografiert“, so die Diva gegen Ende ihrer Karriere auf der Flucht vor den Fotografen. Paris, die Schöne an der Seine, kann sich nicht entziehen - und zeigt sich darüber hinaus seit der Frühzeit des Genres in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als unerschöpfliche Quelle für Motivjäger und Künstler gleichermaßen.

Auch der Bottroper Hans-Peter Keller lässt sich regelmäßig von der eleganten Metropole und deren Menschen faszinieren. Aus einer ungleich umfangreicheren Fotoserie zeigt der 58-Jährige nun eine Auswahl von 17 Arbeiten in „Passmanns Kulturkneipe“ an der Kirchhellener Straße.

Fotografie und Kombigrafie

„Für mich ist Paris wie eine große Theaterkulisse“, sagt Keller. Und wie auf der Bühne inszeniert er auch Mensch und Architektur. Dass er dabei noch ein spezifisches Kunstmittel einsetzt, gehört zu der Eigenart, mit der er seine Bilder konstruiert. „Kombigrafie“ nennt er die Technik, mit der er wie früher bei der klassischen Negativmontage Motive übereinander legt. Da steht der Straßenkünstler, der am Ende seiner Show virtuos an einer nostalgischen Straßenlaterne schwingt, auf einmal breitbeinig über der Seine - fast wie einst King-Kong über den New Yorker Wolkenkratzern. Der gebeugte Clochard scheint so ebenfalls über der Stadt zu schweben, deren Konturen auf einmal wie grafische Elemente durch ihn hindurch zu schimmern scheinen.

Überhaupt scheinen Keller die grafischen Elemente zu faszinieren. So spiegelt sich die gläserne Pyramide vor dem Louvre auf einmal vor dem Eiffelturm - oder umgekehrt - und teilt wie ein auf der Spitze stehendes Dreieck das Bild geometrisch auf. Aber es sind nicht nur die optischen Spielereien, die Hans-Peter Keller den „Eiffelturm rauf und runter“ wie er sagt, faszinieren.

Die Bewohner der Stadt, deren Häuser und Straßen, bieten sich ihm als Vorlage auch für konventionelle Bilder - schwarz-weiß, im klassischen Retro-Look. Wer nicht auf Accessoires oder die Autos achtet, könnte meinen, er habe das - sicher auch klischeebeladene - Paris der 50er oder 60er Jahre vor Augen.

Dass die Fotografien im Format 80 mal 80 oder 30 mal 40 Zentimeter auf Leinen gezogen sind, verleiht den Arbeiten nicht nur eine körnigere Struktur, sondern auch eine Lebendigkeit. Keller weiß eben nicht nur Motive, sondern auch seine Arbeiten zu inszenieren. Immerhin ist er seit den 1980er Jahren in Sachen Fotografie unterwegs. Damals bereits fürs „Quadrat“. Zwei Arbeiten sind sogar im Besitz des Kölner Museum Ludwig.

Bereits museumsreif

Seine erste Foto-Ausstellung hatte Hans Peter Keller bereits 1982 in Bottrop, in einer heute nicht mehr existierenden Galerie an der Essener Straße. Damals entdeckte der gelernte Zahntechniker und heutige Ärzte-Coach, der früher einmal ein großes Labor in der Stadt hatte, die Fotografie für sich. Rasch kam er in Kontakt mit dem Museum „Quadrat“ und dessen damaligem Leiter Ulrich Schumacher.

Der 1955 in Bottrop Geborene begleitete viele Künstler beim Einrichten ihrer Ausstellungen, darunter zum Beispiel Max Bill oder Ludwig Wilding. „Manchmal tauschten wir meine Fotos gegen Arbeiten der Künstler“, sagt Keller. In diesen Jahren war er auch durch eine Kölner Galerie vertreten. Und irgendwann erwarb das dortige Museum Ludwig zwei seiner Arbeiten, auch Überlagerungen, ähnlich den „Kombigrafien“, die er jetzt bei „Passmanns“ zeigt.

In diesen Kombinationen zwei er Motive „erzählt“ Keller gleichsam eine neue Geschichte und spielt dabei zugleich mit Größenrelationen, die immer wieder auch surreale Elemente haben. Die Ausstellung ist während der nächsten sechs Wochen in „Passmanns Kulturkneipe“, Kirchhellener Straße 57, zu sehen.

 
 

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