Nur 1000 Bedürftige aus Bottrop nutzen das Sozialticket

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr wird das Sozialticket unter dem Namen „Mein Ticket“ angeboten.
Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr wird das Sozialticket unter dem Namen „Mein Ticket“ angeboten.
Foto: WAZ FotoPool
Nach Angaben der Vestischen Straßenbahnen nutzen von rund 17000 Berechtigten derzeit nur 1000 Bottroper das Sozialticket „Mein Ticket“. Beratungsstellen führen die geringe Nachfrage auf den hohen Preis, fehlende Reichweite und mangelnde Aufklärung zurück.

Bottrop.. Gut zwei Jahre nach der Einführung des Sozialtickets hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) eine ernüchternde Bilanz gezogen: Nur sechs bis acht Prozent der potenziellen Nutzer kaufen derzeit das „Mein Ticket“, wie das Sozialticket jetzt heißt. Der VRR hatte mit doppelt so vielen Nutzern gerechnet .

Das entspricht in etwa den Zahlen, die die Vestische Straßenbahnen GmbH für das Bottroper Stadtgebiet vorlegt. „Im Moment sind wir bei rund 1000 verkauften Sozialtickets in den vergangenen beiden Monaten“, sagt Norbert Konegen, Sprecher der Vestischen. Die Zahlen seien stabil.

Damit verkauft die Vestische monatlich rund 300 Sozialtickets mehr als vor genau zwei Jahren. Bei etwas mehr als 17 000 potenziellen Nutzern liegt die Quote allerdings nur bei knapp unter sechs Prozent. Damit sei Bottrop aber noch Sozialticket-Vorreiter im Vergleich mit dem Gesamtgebiet der Vestischen. „Vestische-weit liegen wir bei etwa vier Prozent“, sagt Konegen. Als möglichen Grund führt er an, dass viele andere Einsatzgebiete der Vestischen ländlicher seien als Bottrop.

„In Bottrop sind die Wege aus den Stadtteilen in die City auch nicht so weit, dass sich das Sozialticket für jeden potenziellen Nutzer lohnen würde“, sagt Felix Brill von der Evangelischen Sozialberatung Bottrop. Er beobachtet, dass viele mit dem Fahrrad zu den Beratungsgesprächen bei der ESB kommen. Ähnlich sei es bei den Gästen der Suppenküche Kolüsch. Hinzu käme, dass das „Mein Ticket“ mit 29,90 Euro im Monat für arme Menschen immer noch recht teuer sei. Dass das Ticket für Fahrten bis ins Gladbecker Stadtgebiet reicht, biete ebenfalls wenig Anreiz.

Ähnlich sieht es die Leiterin der AG Soziale Brennpunkte Bottrop e.V., Conny Kavermann: „Wir haben hier zum Beispiel einen jungen Mann, der täglich nach Gelsenkirchen fährt. Er muss für jede Fahrt einen Aufpreis von rund drei Euro zahlen - zusätzlich zum Sozialticket.“ Ein Problem des „Mein Ticket“ sei die geringe Reichweite, ein weiteres der hohe Preis. Zudem hat Kavermann in Beratungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass viele Flüchtlinge häufig nicht über das Angebot aufgeklärt seien. „Die kaufen sich dann täglich Einzeltickets, bis bei Beratungen auffällt, dass sie mit dem Sozialticket Geld sparen könnten“, so Kavermann.

Vestische-Sprecher Norbert Konegen erklärt, dass die Vestische auf die Aufklärungsarbeit von Jobcenter und Beratungsstellen angewiesen sei. Dennoch habe man die Presse wie auch soziale Medien genutzt, um Bedürftige auf das Sozialticket aufmerksam zu machen.

 
 

EURE FAVORITEN