Neues Hospiz - Manche Gäste leben nur noch einen Tag

Paul Mensing-Göke (Geschäftsführer), Peter Stadtmann (Förderverein), Hilmar Mösta (Beiratsvorsitzender) und Christoph Voegelin (Hospiz- und Pflegedienstleiter) im letzten noch nicht belegten Gästezimmer.
Paul Mensing-Göke (Geschäftsführer), Peter Stadtmann (Förderverein), Hilmar Mösta (Beiratsvorsitzender) und Christoph Voegelin (Hospiz- und Pflegedienstleiter) im letzten noch nicht belegten Gästezimmer.
Foto: Michael Korte
Gerade in der Anfangszeit ist die Fluktuation im Bottroper sehr hoch. Manche Gäste lebten nur einen Tag im neueröffneten Haus neben dem Knappschaftskrankenhaus. Das ist aber die Ausnahme. Über die Aufnahmebedingungen vom Schwerstkranken informierte jetzt die Leitung des Hauses.

Bottrop.. Das Tagesbetrieb im Hospiz ist gut angelaufen. Auch wenn bereits seit Monatsanfang fünf Gäste verstorben sind. „Das gehört leider zum Geschäft so einer Einrichtung, gerade in der Anfangsphase“, weiß Christoph Voegelin.

Der Hospiz- und Pflegedienstleiter weiß, dass Mitarbeiter aber auch Krankenhäuser und Ärzte gerade in der Startphase eines Hauses die Situation der Gäste im Vorfeld noch nicht so kennen und mit Sicherheit sagen können, ob und wann die Verlegung in ein Hospiz notwendig oder sinnvoll ist. Es gebe Gäste für nur einen Tag, andere blieben bis zu einem Jahr. „Beides Extremsituationen“, so Voegelin.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Hospiz liege bei etwa drei Wochen, das seien Erfahrungswerte auch anderen Häuser in der Umgebung, so Geschäftsführer Paul Mensing-Göke.

Es kommen nicht nur Krebspatienten

Wichtig für eine Aufnahme ins Hospiz sei zunächst einmal der Wille des Kranken (oder dessen Angehörigen oder Bevollmächtigter), die letzte Lebenszeit im Hospiz verbringen zu wollen, so Mensing-Göke. Dann spiele die Krankheitssituation die wesentlichste Rolle. Früher waren es überwiegend Krebspatienten, die in die Hospize kamen. „Heute sind auch viele Gäste darunter, die an Herz- Lungen oder neurologischen Krankheiten litten, wie zum Beispiel Demenz im Endstadium, weiß Christoph Voegelin.

Das Aufnahmeverfahren läuft nach festen Regeln und Zuständigkeiten ab. „Wir werden gefragt, ob wir Platz für einen Schwerkranken haben“, sagt Voegelin. Dann müsse durch einen Arzt die Notwendigkeit eines Hospizaufenthaltes festgestellt werden. In der Regel bedeutet das, dass der Patient nicht mehr therapiefähig ist.

Danach muss der Antrag an die Krankenkasse zur Finanzierung des Aufenthaltes gestellt werden, was über den Medizinischen Dienst läuft. „Im Weiteren folgt die Feststellung der Pflegestufe, wobei es durchaus Patienten gebe, die keine Pflegestufe haben“, sagt Christoph Voegelin. Am Ende besuchen Vertreter des Medizinischen Dienstes das Hospiz aber auch den künftigen Gast und dann fällt gemeinsam die endgültige Entscheidung für einen Aufenthalt im Hospiz.

Wer ins Haus kommt, entscheiden einzig die Hospize selbst. „Dabei geht es nicht um Kontakte oder Beziehungen oder wie lange eine Kranker auf der Warteliste steht, sondern einzig um die aktuelle Situation des Patienten selbst und dessen Umfeld, also auch psycho-soziale Aspekte“, sagt der Hospizleiter.

Vertrag zwischen Hospiz und Patienten

Der nachfolgende Aufnahmevertrag wird zwischen Hospiz und Patienten geschlossen. Dabei kann es unter Umständen durchaus vorkommen, dass ein Gast das Haus zum Beispiel bei unvorhergesehener Besserung wieder verlassen muss. „Wir sind eben kein Pflegeheim“, bemüht sich auch Paul Mensing-Göke klar zu stellen. Dazu gehört auch, dass niemand direkt aus einem Pflegeheim ins Hospiz ziehen darf. „Der Weg führt nur von zu Hause oder eben vom Krankenhaus aus hierhin“, so Mensing-Göke. Allerdings stellen Pflegeheime oft den Kontakt her.

Und: Wer ein Hospiz kennt, weiß, dass dort Gäste jeden Alters leben.

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