Neue Solarienverordnung könnte das Aus bedeuten

Carsten Liebfried
Dorothee Lazar, Betreiberin des Sonnenstudios Sun auf dem Eigen.  Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Dorothee Lazar, Betreiberin des Sonnenstudios Sun auf dem Eigen. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop. Ab dem kommenden Jahr tritt eine neue Solarienverordnung in Kraft. Sie stellt die Betreiber von Sonnenstudios auf eine finanziell harte Probe: Die Bänke müssen umgerüstet werden, um die Bestrahlungsstärke zu reduzieren.

Am Empfangstresen vom Sonnenstudio „The Sun“ auf der Kirchhellener Straße herrscht eine herzliche Atmosphäre. Inhaberin Dorothee Lazar ist auf Du-und-Du mit ihren Kunden. Viele legen sich schon seit Jahren bei ihr auf die Sonnenbank.

Doch das könnte sich bald ändern. Ab 1. Januar 2012 tritt eine neue Solarienverordnung in Kraft. Die Betreiber von Sonnenstudios werden darin aufgefordert, ihre Bänke umzurüsten. Unter anderem soll die Bestrahlungsstärke reduziert werden - von zwei auf 0,3 Watt pro Quadratmeter. Zusätzlich muss dann geschultes Fachpersonal im Studio anwesend sein. Und das stellt die Einzelunternehmer auf dem Markt auf eine harte Probe.

Beliebter Treffpunkt von Stammgästen

„Bereits vor einem Jahr habe ich probehalber Solariumröhren mit 1,4 Watt eingesetzt. Schon die wurden von den Kunden nicht angenommen“, sagt Dorothee Lazar. Damit habe sich keine angemessene Bräune erzielen lassen, hätte die Kundschaft gemeint. Vorerst verwende sie wieder Röhren mit zwei Watt.

Bundesweit gibt es etwa 4000 Sonnenstudios. „Bis jetzt rechnen wir damit, dass zehn bis 15 Prozent der Sonnenstudios in Deutschland auf Grund der Verordnung schließen müssen“, sagt Norbert Schmid-Keiner vom Bundesfachverband für Besonnung.

Dieses Schicksal könnte auch Dorothee Lazar treffen. Auch sie müsste ihre vier Ganzkörpersonnenbänke sowie den Teilkörperbräuner umrüsten lassen. Die Kosten dafür liegen zwischen 700 und 1500 Euro pro Gerät. Für die 56-Jährige wäre ein solcher Aufwand aber nicht zu bewältigen. Vor vier Jahren hatte sie das Sonnenstudio übernommen. Inzwischen muss sie vorwiegend allein arbeiten, denn das Gehalt fest angestellter Mitarbeiter erwirtschaftet das Unternehmer nicht. Mindestens zehn Stunden täglich steht sie hinter dem Tresen. Manchmal helfen eine Teilzeitkraft oder die Tochter aus.

Öfter als einmal pro Woche kommt ohnehin niemand her

Als Wettbewerber auf dem Markt, dessen Zenit überschritten scheint, hat es Dorothee Lazar mit den Filialen bundesweit arbeitender Sonnenstudio-Unternehmen zu tun. „Die trifft die neue Verordnung nicht mit solcher Härte“, sagt Verbandssprecher Schmid-Keiner. Sie könnten die geforderte Umrüstung leichter stemmen, weil ihre finanziellen Möglichkeiten andere als bei den Einzelunternehmern seien.

Dass in ihrer Branche mit spitzem Stift gerechnet wird, hat Dorothee Lazar längst zu spüren bekommen. Zur finanziellen Entlastung hat sie Teile ihrer Räumlichkeit an ein Nagel- und Fußpflegestudio verpachtet. Im nächsten Jahr läuft der Leasingvertrag für ihre Geräte aus. Mit der Umrüstung kämen dann erneut Kosten auf sie zu. „Dann muss ich entweder das Studio schließen oder einen Kredit aufnehmen“, sagt sie.

Ihr Sonnenstudio ist seit Jahren ein beliebter Treffpunkt von Stammgästen aller Altersgruppen. Lazar: „Ich achte schon lange darauf, dass sich meine Kunden richtig bräunen. Öfter als einmal pro Woche kommt ohnehin niemand her.“