Natur und Kunst gehören zusammen

Museumsleiter Dr. Heinz Liesbrock führt durch die Räume des umgebauten Museums für Ur- und Ortsgeschichte in der alten Villa im Stadtgarten.
Museumsleiter Dr. Heinz Liesbrock führt durch die Räume des umgebauten Museums für Ur- und Ortsgeschichte in der alten Villa im Stadtgarten.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop..  Die alte Villa im Stadtgarten, die seit Jahrzehnten das Museum für Ur- und Ortsgeschichte beherbergte, wird ab 2013 wieder Domizil für diese Abteilung des Museumszentrums „Quadrat“ sein. Seit 2011 wurde der denkmalsgeschützte Bau für insgesamt 350 000 Euro aus städtischen Mitteln und Geldern des Konjunkturpaktes II grundsaniert und in Teilen behutsam umgebaut. In den nächsten Wochen rechnet Museums-Chef Heinz Liesbrock mit der Zusage von knapp 500 000 Euro von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für die Neueinrichtung des Hauses.

Herr Liesbrock, Sie gelten vielen eher als Mann der bildenden Kunst, wie viel Herzblut stecken Sie in das Museum für Ur- und Ortsgeschichte?

Heinz Liesbrock: Ich habe die Leitung beider Häuser übernommen, dazu stehe ich voll und ganz. Die Doppelfunktion von Natur, Geschichte und Kunst gehört zum Charakter dieses Museumszentrums, das mit der Naturhistorischen und der Kunstsammlung ein Aushängeschild für die Stadt ist.

Also keine Kunst in der alten Villa?

Nein, die Räume im Altbau sind charmant, vor allem auch seit der Renovierung, der Freilegung des historischen Parketts und der Harmonisierung der Durchgänge und einer neuen, lichten Durchlässigkeit. Aber nicht für Kunst . . .

Da haben Sie andere Pläne?

Schon. Mir, aber auch einigen anderen Leuten in der Stadt, schwebt immer noch ein moderner Anbau für Wechselausstellungen vor. Dann müssten wir die Albers-Sammlung, die immer bedeutender wird und ohnehin die größte in Europa ist, nicht immer wieder für Sonderausstellungen abhängen - was nebenbei auch gegen den Vertrag mit der Albers-Foundation verstößt - und könnten so im vorderen Bereich, der „Modernen Galerie“, zugleich einen Bereich für die stadteigene Sammlung jenseits von Albers (ja, die gibt es seit 1976), regionale oder lokale Kunst schaffen.

Das schafft die klamme Stadt?

Natürlich nicht ohne tatkräftige Sponsoren.

Zurück zur Ur- und Ortsgeschichte: Wie realistisch ist das Stiftungsgeld und was wird ab wann, wie und auf welcher Fläche gezeigt?

Die Signale sind positiv, das Konzept trägt. Einen Antrag in der Größenordnung stellt man ja nicht ins Blaue hinein. Das Erdgeschoss, gut 200 Quadratmeter, ist für die Naturgeschichte reserviert, die erdgeschichtliche Entwicklung von der Karbonzeit bis zur nachindustriellen Morphologie der Gegenwart. Das Obergeschoss zeigt die historische Entwicklung der Stadt von der Ur- und Frühgeschichte, vor allem das Urnengräberfeld am Westring über das Mittelalter mit seinen Herrensitzen bis zur Industrialisierung und der modernen Stadtgeschichte. Wenn die Gelder so fließen, wie geplant, wird das Haus im Herbst 2013 fertig sein - und vor allem ein klimatisch, technisch und ästhetisch ansprechender und zeitgemäßer Museumsbau sein.

 
 

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