„Mozart im Mai“ in der Martinskirche

„Mozart im Mai“: Eine schöne musikalische Erwartung verband sich mit diesem Titel, unter dem das Gladbecker Hamza-Streichquartett nebst zwei souveränen Solisten in der gut besuchten Martinskirche antrat. Ein melodisch reich getränkter Frühlingsstrauß war garantiert mit drei populären Kompositionen des Salzburger Meisters: das Divertimento D-Dur KV 136, das „Wolfgangerl“ bereits als 16-Jähriger schrieb, das Oboen-Quartett F-Dur KV 370 aus der mittleren Schaffensphase und das schon frühromantische, mit Variationen endende Klarinetten-Quintett A-Dur KV 58, das Genie Mozart zwei Jahre vor seinem frühen Tod komponierte. Ein fröhlich- munteres, aber kein leichtes, nur belanglos unterhaltendes Programm.

Denn Mozart entdeckt in diesen Stücken einen eigenen Kosmos, der auf dem Fundament der fließenden Melodie und der wahren und wärmenden Empfindung steht. Es ist ja immer wieder erstaunlich, wie gerade Komponisten eigene private Schicksalsschläge oder Krisen verarbeiten und dabei durch die musikalische Höherstellung zu ihren seelisch ehrlichsten Seiten vorstoßen. So auch in diesem Fall.

Das populäre Divertimento: Belcanto auf den 16 instrumentalen Saiten, musikalisches Glück als Ausdruck der Lebensbejahung; das Oboen-Quartett: die Bestätigung einer Aufbruchstimmung, eine emotionale Befragung menschlicher Gemütslagen im raschen Wechsel von Allegro-Tempo und Adagio-Lyrik; das Klarinetten-Quintett: Musik in der Nähe von „Cosi fan tutte“, in der es trotz komödiantischer Akzente sehr ernst und desillusionierend zugeht. So auch in dieser nach innen leuchtenden Kammermusik.

Die Solisten: vorzüglich, stimmig, auf virtuosen Schliff und poetische Mittel bedacht. Die Oboistin Britta Buttgereit und der Klarinettist Johannes Pieper beherrschen das jeweilige Holzblasinstrument, achten auf Harmonisierung mit den Tutti-Partnern und finden doch Wege, die eigene Linie magisch abzusichern.

Mit dem Streicher-Stamm, besetzt mit den Geigern Werner Precl (Essener Philharmonie), Swetozar Christov (Bochumer Symphoniker) sowie dem Ehepaar Ioan (Cello) und Berta Walter-Hamza (Viola), verstehen sich die Solo-Musiker ohne Problem. Man ordnet sich wechselseitig in das Gesamtgeschehen ein. Zusammen „feiern“ und ehren sie Mozart. Das ist der gemeinsame Ausgangspunkt im Profil. Das Publikum würdigte dies lebhaft und lang.

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