Mit kribbelnden Füßen fängt es an

Bottrop.  „Wir wollen gesund werden“, sagt Bernd Nitzsche bestimmt und deutet auf die 20 Frauen und Männer, die sich an diesem Donnerstag zum Treffen der von ihm initiierten Selbsthilfegruppe (SHG) zusammengefunden haben. Nur: Als Polyneuropathie-Patient ist das offenbar gar nicht so einfach.

Eine Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung der peripheren Nerven – also der Nerven, die entlegene Teile des Körpers versorgen. Typische Beschwerden sind Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Zehen, Füßen, Beinen, Händen, Armen. „Vor sieben Jahren ging es bei mir los“, erzählt Nitzsche. „Ein Kribbeln, als ob ich auf Ameisen stehe.“ Es steigerte sich, heute hat der 63-Jährige Beschwerden bis hoch zum Knie. Dass er von ärztlicher Seite gehört habe, mit der Polyneuropathie-Erkrankung müsse er eben leben, habe ihn schließlich Anfang 2012 die Selbsthilfegruppe gründen lassen.

Das Problem für Nitzsche und andere Betroffene: Die Ursache für die PNP-Erkrankung wurde nicht gefunden. In 80 % der Fälle, erläutert Nitzsche, ist PNP eine Folge von Diabetes, Alkoholismus oder durch Zeckenbiss verursachte Borreliose. Bei den restlichen 20 % kommen über 500 weitere Möglichkeiten in Frage – von der Vererbung bis hin zu einer Vergiftung.

Wo die Ursache gefunden wird, kann die Krankheit bei der Wurzel gepackt werden. Bei Andreas Urban etwa, dessen Beschwerden ihn schon kurzfristig an den Rollstuhl fesselten, wurde schließlich ein akuter Vitamin-B-12-Mangel aufgrund einer chronischen Magenschleimhautentzündung diagnostiziert. Nun wird sein Magen behandelt, er erhält das Vitamin B 12, macht Bewegungstherapie. „Mittlerweile schaffe ich einige Strecken ohne Stock“, so der 48-Jährige. Die Hoffnung besteht, da die Ursache angegangen ist, dass er bis vielleicht auf ein Taubheitsgefühl in den Zehen geheilt wird. Heilung ist für Nitzsche (noch) nicht in Sicht, dafür hat er die Erfahrung gemacht, dass Akupunktur seine Beschwerden lindert. „Aber die bezahlen die Krankenkassen nicht.“

Themen wie diese sind es, über die sich die SHG-Mitglieder austauschen. Sie schauen sich um, sowohl in der Schul- als auch der Alternativmedizin, hören Vorträge, halten Kontakt zu anderen PNP-Gruppen im Land. Nitzsche: „Wir wollen auch Ärzte unterstützen durch unsere Erfahrungen.“ Und das Zwischenmenschliche kommt auch nicht zu kurz: Aktuell wird eine Weihnachtsfeier vorbereitet.

Update:

Die SHG trifft sich jeden 1. Do./Monat, 16 Uhr, Die Gruppe trifft sich im Sanitätshaus Steinberg, Schützenstr. 18 - 20., Ansprechpartner ist nun Manfred Insel 02041 989920.

 
 

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