Mit dem Jeep durch den Schacht

Mit einem Geländewagen ging es für die WAZ-Leser durch einen Schrägschacht unter Tage.
Mit einem Geländewagen ging es für die WAZ-Leser durch einen Schrägschacht unter Tage.
Foto: Volker Hartmann
Am Dienstag bot die RAG zwölf WAZ-Lesern die Möglichkeit, auf Prosper-Haniel mit einem Geländewagen unter Tage zu fahren. In 700 Metern Tiefe erfuhren sie, wie das Bergbauareal nach Ende des aktiven Steinkohleabbaus genutzt werden soll.

Bottrop..  Seit 1871 wird auf Prosper II Steinkohle gefördert. Das Streckennetz des Bergbauareals erstreckt sich über 141 Kilometer. Doch welche Perspektiven gibt es für die Zeche nach 2018? Die RAG prüft die Möglichkeit, unter Tage Pumpspeicherkraftwerke einzurichten. Dazu sollen ehemals bergmännisch genutzte Schächte zu Fallrohren werden, in denen Wasser die Turbinen antreibt. So will die RAG die bergbauliche Infrastruktur auch nach Ende des aktiven Steinkohleabbaus nachhaltig nutzen.

Am Dienstag lud die RAG zwölf WAZ-Leser auf Prosper-Haniel ein, informierte sie über das Prinzip und bot ihnen die Gelegenheit, mit einem Geländewagen durch den Förderberg unter Tage zu fahren.

In der Waschkaue werden die Teilnehmer mit Schienbeinschonern, Helm, Schutzbrille und Handschuhen ausgerüstet. Auch Steigerhemd und Halstuch dürfen natürlich nicht fehlen. Zum Schluss bekommt jeder noch einen Gürtel mit Filter-Selbstretter und Grubenlampe umgelegt, dann kann es los gehen.

Die olivgrünen Geländewagen, mit denen Harald Baumgardt und Kai Zapp die mehr als drei Kilometer lange Strecke nach unter Tage zurück legen, haben nur zwei ­Gänge und wurden extra für Schachtfahrten umgebaut. Etwa eine Viertelstunde rollen sie durch den Förderberg, der den Tages­betrieb mit der fünften Sohle verbindet. „Wir befinden uns jetzt ­ungefähr auf dem Gelände der ­Firma Brabus. Nur eben gut 700 Meter tiefer“, sagt Harald Baumgardt. Hier verlassen die WAZ-Leser die Geländewagen. Das Gefälle ist mit 22 Prozent enorm, der Boden rutschig. Vorbei an Strom- und Wasserleitungen gehen die Teilnehmer den ausziehenden Schacht entlang, in dem die Wettertemperatur 29,8 Grad beträgt.

Es geht vorbei an der Hauptförderlinie, die zu Förderzeiten mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde rund 2000 Tonnen innerhalb einer Stunde zu Tage fördert. Über eine Förderstation transportiert das Band auf umgekehrten Weg die Waschberge zurück nach unter Tage. Auch die Grubenlüftung bekommen die Teilnehmer der Tour zu sehen. In regelmäßigen Abständen kommt die Anweisung von Baumgardt: „Immer nach oben und unten schauen.“

Nur 100 Meter legt die Gruppe zu Fuß unter Tage zurück, doch bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und extremer Steigung ist der Rückweg zu den Geländewagen anstrengender als gedacht.

Schächte als Fallrohre

Zukünftig soll der Schacht des Förderbergs zu einem langen Fallrohr werden, in denen Wasser Turbinen antreibt. Besteht Energieüberschuss, füllen elektrische Pumpen ein hochgelegenes Wasserbecken. „Das Wasser wird aus einem untertägigen Ringspeicher nach oben gepumpt und in einem übertägigem See gespeichert. So sichert es die Energieversorgung“, erklärt André Niemann, Professor der Universität Duisburg-Essen. Bei hoher Energienachfrage könnten die Betreiber das Wasser über Turbinen in ein tiefer­ gelegenes Speicherbecken abfließen lassen und auf diese Weise Elektrizität erzeugen.

Die Fallhöhe des Wassers würde auf Prosper II rund 600 ­Meter betragen. Ein Leistungspotenzial von 360 Megawatt wäre möglich, und das Pumpspeicherkraftwerk könnte jährlich eine ­Gesamtleistung von 900 Gigawattstunden erzielen. Der Vorteil eines Standorts unter Tage: Landschaftsverbrauch und Eingriffe in die Natur wären im Vergleich zu möglichen Standorten für Neubauten gering.

Alten Standort für neue Technologie nutzen

Was machen wir mit der bergbaulichen Infrastruktur?“ Diese Frage stellt sich Professor André Niemann der Universität Duisburg­Essen. Er arbeitet mit der RAG an der Machbarkeitsstudie zum Thema „Pumpspeicherkraftwerke unter Tage“. Zusammen mit an­deren Partnern wie dem Verein Deutsche Montan Technologie (DTM) und der Ruhr-Universität Bochum hat er ein Konzept erarbeitet, in dem der Förderberg von Prosper II eine zentrale Rolle spielt. Eine Leistung von bis zu 360 Megawatt soll das Kraftwerk haben, für das auch andere Anlagen, wie Wetterschächte genutzt werden sollen.

Erneuerbare Energien sind ­abhängig vom Wetter und richten sich nicht nach den Bedürfnissen der Abnehmer. Deshalb seien Energiespeicher dringend not­wendig, so der Professor. „Wir erschließen einen alten Standort für neue Technologie“, erklärt Niemann. Momentan diskutiert das Land über die Machbarkeitsstudie, ­bisher sei die Resonanz durchweg positiv. „Wenn alles ideal läuft, ­dauert der Bau des Pumpspeicherkraftwerks unter Tage etwa vier bis fünf Jahre.“

 
 

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