Mehr Muslime wollen hier letzte Ruhe finden

Auf dem Bottroper Ostfriedhof ist ein Bereich für muslimische Gräber reserviert. Foto vom 03.05.2013. Foto Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Auf dem Bottroper Ostfriedhof ist ein Bereich für muslimische Gräber reserviert. Foto vom 03.05.2013. Foto Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool

In der muslimischen Gemeinschaft in Bottrop vollzieht sich bei der Frage nach der Bestattung offenbar ein tiefer Wandel. „Wir wissen, dass mehr Muslime den Wunsch haben, auch hier beerdigt zu werden“, sagt Ibrahim Sakarya, Vorsitzender des Integrationsrates. Und auch Isa Sari, Mitglied im Integrationsrat und Vorsitzender des Arbeitskreises muslimische Gräber, beobachtet mittlerweile: „Früher war das klar, dass sich Muslime aus der Türkei auch dort beerdigen lassen wollten. Aber das verändert sich gerade.“ Viele der älteren Muslime, deren ganze Familie inzwischen hier lebe, sagten, sie wollten ihre letzte Ruhe da finden, wo auch die Kinder leben, vielfach auch schon die Enkel -- eben hier in der zweiten Heimat.

Richtung Mekka

Bisher allerdings haben Muslime kaum von dem Angebot Gebrauch gemacht, verstorbene Angehörige hier beizusetzen. Dabei gibt es diese Möglichkeit seit etwa 2004. „Auf dem Ostfriedhof befindet sich ein muslimisches Gräberfeld“, erklärt Theo Köller vom Friedhofsamt. Alle Voraussetzungen für eine islamische Bestattung seien dort berücksichtigt worden. Dazu gehört unter anderem, dass Muslime ihre Verstorbenen in Leichentüchern bestatten, nicht in einem Sarg. Der Tote muss nach Süd-Ost, in Richtung Mekka gebettet werden, der Geburtsstadt des Propheten Mohammed. Platz sei auf diesem Gräberfeld für mehr als 100 Verstorbene.

Doch die muslimischen Angehörigen bestatteten ihre Verstorbenen bisher meistens in der Türkei. Viele türkischstämmige Bottroper hätten in einen Fonds eingezahlt, der ihnen eine Beisetzung dort ermögliche, so Ibrahim Sakarya. Teilweise hätten Muslime aber auch Gräber in Nachbarstädten von Bottrop bevorzugt, erklärt Dieter Pillart, Leiter des Referates Migration. „Das liegt wohl auch daran, dass sie nichts vom Ostfriedhof wussten. Das war teilweise mangelnde Kommunikation“, räumen die Fachleute ein. Doch dies alles ändere sich zurzeit. Da ist sich auch Isa Sari sicher. „Es liegt doch auf der Hand, dass viele ältere Muslime hier beerdigt werden möchten. Die Bindungen an die Türkei werden dünner.“

Die NRW-Landesregierung will das Angebot an Muslime, da wo es den Bedarf gibt, ausweiten. Sie beschloss jetzt, das Gesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen zu novellieren. Danach soll es Kommunen möglich sein, gemeinnützigen Religionsgemeinschaften oder religiösen Vereinen die Errichtung und den Betrieb von Friedhöfen zu übertragen. Den Bedarf dafür sehen die Muslime in Bottrop allerdings noch nicht. Aber eben das wachsende Interesse an der Beerdigung hier. „Darauf sollte man sich vorbereiten“, mahnt Isa Sari mit Blick auf die kommenden Jahre. Doch für heutige Anforderungen reiche das Angebot aus. „Das sollte aber auch publik werden“, appelliert Dieter Pillart.

 
 

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