Mehr als nur ein Waschlappen für Assad

Holger Kurt Jäger zeigt in seiner Ausstellung “Transporter“ Bilder, Skulpturen und seine berühmten Waschlappen im Jungen Museum.
Holger Kurt Jäger zeigt in seiner Ausstellung “Transporter“ Bilder, Skulpturen und seine berühmten Waschlappen im Jungen Museum.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop..  Mit diesen Waschlappen sollten Sie eigentlich gar nichts abwischen, auch wenn einige der in Öl auf Frottee verewigten unsympathischen Protagonisten förmlich Assoziationen an ein bestimmtes Körperteil wecken. Die mittlerweile berühmten Waschlappen mit den Köpfen von Assad, Hitler aber auch Woody Allen, Josef Ackermann oder einigen Hauptfiguren aus der Kult-Serie „Spongebob“ des Künstlers Holger Kurt Jäger sind nach Abstecher in Galerien und gehörigem Medienwirbel mittlerweile sogar im Museum gelandet.

Berlusconi unterm Hammer

Das Junge Museum neben dem Kulturzentrum zeigt ab heute eine Kollektion dieser Lappen, auf denen kürzlich noch Christian Wulff neben Promis wie Dieter Bohlen oder „Bunga-Bunga“-Berlusconi zu sehen war. Der Italiener-Lappen kam sogar bei Christies unter den Hammer - für schlappe 750 Euro. Wenn Holger Kurt Jäger von „Überhöhung“ dieser Figuren durch die klassischste aller Maltechniken, nämlich „in Öl“, spricht, so ist das wie so vieles in seinem Werk natürlich ironisch gemeint. Dass der Düsseldorfer Absolvent der Essener „Freien Akademie der Bildenden Künste“ und Meisterschüler von Akademieleiter Stephan Schneider nicht auf Waschlappen reduziert werden möchte - wer sollte ihm das verdenken. Hat er auch gar nicht nötig. Denn der 33-Jährige kann malen, was heute längst nicht mehr auf alle Künstler zutrifft, die ihre Bilder auch außerhalb des sprichwörtlichen stillen Kämmerleins präsentieren.

Das Junge Museum präsentiert Jäger erstmals in Bottrop und gleich in einem Querschnitt durch seine Arbeit. Dass er mehr als „nur“ Lappen kann, zeigt sich in seinen Aquarellen, einer Technik, der er sich erst jüngst stärker zuwendet. Einmal als Vorarbeit oder Studie für spätere Großformate, dann auch wieder als ganz eigenständige Form, schnelle, wie dahingeworfene arbeiten, die durchaus Eigenständigkeit aufweisen. „Die Anatomie des Dr. Tulp“ oder „Chiara Ohoven“, um willkürlich in die Titel-Kiste zugreifen.

Als verfremdetes, surreal komponiertes Ersatzteilwesen etwa im Din-A-4-Format hält Jägers Blick auf das Society-Girl seiner Düsseldorfer Heimat auch ohne Schlauchbootlippen, Haarteil oder sonstiges Zubehör genügend Angriffsfläche parat. Nicht auszudenken, welche Sprengkraft das als Großformat im kleinen Jungen Museum entwickeln könnte.

„Transporter“ als Ausstellungstitel mag zunächst etwas befremden. Aber wer die manchmal skurrile aber in jeden Fall amüsante Mischung aus Alltagsbanalität, mythologischen Einsprengseln, Tradition und Verfremdung betrachtet, erkennt in jedem Fall auch Traditionslinien. „Transferleistung oder auch wo komme ich her“, so formuliert Holger Kurt Jäger seine Gedanken.

Gorch Fock als Buddelschiff

Neben großformatigen Ölbildern, wie dem frechen „Pan is pissing on the Universe“ oder den surreal verspielten „Non Stop Nonnen“ zeigt Jäger auch Objekte. Spaß macht da sicherlich „Ultra Marine Blau“. Ein Miniaturmodell der Gorch Fock in einer Urinflasche, wie man sie aus Krankenhäusern kennt. Dass er den zuliefernden Modellbauer erst über den künftigen Bestimmungsort des Schiffchens im Unklaren ließ, ist eine Sache. Wer sich an die Vorkommnisse auf dem deutschen Segelschulschiff erinnert, das demnächst wieder auslaufen soll, sieht diese Arbeit ganz anders. Fazit: Auf jeden Fall ein Parcours, der Spaß macht.

Ab heute bis zum 27. Oktober ist die Ausstellung „Transporter“ mit Bildern und Skulpturen von Holger Kurt Jäger im Jungen Museum zu sehen. Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr. Info unter 70 37 21.
Noch bis zum 22. September sind Arbeiten von Jäger auch in der Galerie „kunst-raum“ in Essen, Rüttenscheider-Str. 56 zu sehen. Info: www.kunst-raum.net

 

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