Männer kämpfen gegen Verjährung nach sexuellem Missbrauch

Julia Baransky
Mit Materialien des Vereins NetzwerkB klärte die Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ in der Bottroper Innenstadt über Verjährungsfristen auf.
Mit Materialien des Vereins NetzwerkB klärte die Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ in der Bottroper Innenstadt über Verjährungsfristen auf.
Foto: Winfried Labus / FotoPool
Die Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ informierte am Samstag in der Innenstadt über die Verjährungsfristen nach sexuellem Missbrauch. Die Männer ernteten Anerkennung für diesen Schritt in die Öffentlichkeit.

Bottrop.  Infostände über dieses und jenes Thema gibt es wie Sand am Meer. Die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch ist hingegen immer noch ein Thema, über das die Öffentlichkeit sehr wenig weiß. Daher stellten sich am Samstag Peter Timmer, Karl Görtz und Markus Elstner von der Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ an den ehemaligen Mensing-Brunnen und informierten die Passanten, die es an diesem Vormittag in die Innenstadt zog.

Die Drei sind selbst betroffen von der Verjährungsfrist. Vor rund dreißig Jahren wurden sie missbraucht. Als sie endlich den Mut fanden, ihre Peiniger anzuzeigen, hieß es, die Tat sei verjährt.

Viele Gespräche geführt

„Als Kind vertraut man sich in so einer Situation niemandem an. Man weiß selbst nicht, was mit einem passiert und was es für Folgen nach sich ziehen könnte einen Mann, der mitten im Leben steht, anzuzeigen“, so Elstner, der die Selbsthilfegruppe vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. „Viele Passanten, mit denen ich heute schon gesprochen habe, wissen überhaupt nicht, dass so eine Verjährungsfrist überhaupt existiert und sind geschockt“, so Timmer. Sogar mit einem Juristen redeten die Männer an diesem Tag. Dieser kannte zwar die juristische Seite, sei aber dennoch überrascht gewesen, dass auch Jungen und Männer missbraucht werden. „Der Missbrauch von Frauen ist allgegenwärtiger als der von Männern“, sagt Timmer.

Vor zehn Jahren wäre es für die drei Männer, die sich selbst als „Überlebende“ bezeichnen, unvorstellbar gewesen, sich in die Öffentlichkeit zu stellen und Aufklärungsarbeit zu leisten. „Für uns ist das Ganze auch ein Stück Eigentherapie. Es ist ein gutes Gefühl jetzt hier zu stehen und die Leute aufzuklären“, so Görtz.

Oberbürgermeister Bernd Tischler, der an diesem Tag den Infostand besuchte, schätzt die Arbeit der Männer: „Sie sind hier mit einem berechtigtem Anliegen. Es ist ein wichtiger Schritt für sie, aus der Anonymität herauszutreten.“

Das Wichtigste für die drei mutigen Männer war an diesem Tag aber nicht die Anerkennung, die sie für ihre Aktion ernteten – sondern ihrem Ziel, die Verjährungsfrist aufzuheben, einen Schritt näher zu kommen und die Menschen in ihrer Umgebung darüber zu informieren.