Laura Flöters Werke öffnen Tor zur Märchenwelt

Eine Zeichnung in einem Skizzenbuch auf das Wesentliche reduziert: Eine Frau mit einem Zopf schneidet einem Mann seine langen Haare ab, im Hintergrund ein Baum, an dem Scheren wachsen. Als „eine fiese Verstümmelung“ beschreibt Künstlerin Laura Flöter die bizarre Szenerie. Das Werk ist Teil der neuen Ausstellung im Jungen Museum, die Laura Flöters experimentelle Malerei in Kombination mit plastischen Elementen zeigt.

Die 33-jährige Künstlerin aus Düsseldorf mag es düster. Sie liebt Fantasy-Rollenspiele und bezeichnet sich als Aktive in der „Schwarzen Szene“, einem losen Netzwerk, die aus Dark-Wave und Independent-Anhängern in den 80er Jahren entstanden ist. Laura Flöter malt nicht nur, sie schreibt auch Romane. Die Skizze illustriert eine Szene aus dem Roman, an dem sie gerade schreibt.

Es ist die einzige Illustration der Ausstellung. Die meisten anderen Werke sind großformatige Bilder auf Leinwänden ohne Rahmen. Sie kombinieren Farbe und plastische Elemente – Schlüssel, Spiegelscherben, Muscheln, Getränkedosen, Spielkarten, Nägel, Masken. Elemente, die immer wiederkehren. Aufgeklebt mit Strukturpaste, Schicht auf Schicht, verziert mit Farbe. Es sind verrätselte Symbole, mit denen Flöter den Betrachtern ein Tor zur Märchenwelt öffnet. „Das Spekulieren, das Rätseln ist das Spannende“, sagt Flöter. Sie verschleiert, maskiert, spielt mit Identitäten, mit dem Zufall, mit Geheimnissen.

Die Spiegel verweisen auf das zentrale Motiv des Doppelgängers im romantischen Kunstmärchen. Sie stehen für Täuschung und Erkenntnis gleichermaßen. Als Symbol für den Mond bringen sie Licht ins Dunkle. Als Oberfläche suggerieren sie, dass es „etwas dahinter“ gibt. Eine verborgene Wirklichkeit, „die aber niemals zu erkennen ist“.

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