Kuss der Mutter für den Rocker-Sohn

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Weil er ein angehendes Mitglied seines Motorradclubs übel verprügelte, muss ein Bottroper Rocker für fast vier Jahre ins Gefängnis.

Auch Rocker sind Menschen, auch Rocker sind Söhne. Mit einem Kuss und einer Umarmung verabschiedete am Dienstag seine Mutter den Bottroper Kevin K. (23). Gerade hatte die XVII. Strafkammer des Essener Landgerichtes ihn zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Sein Mitangeklagter Thomas R. aus Duisburg bekam mit drei Jahren und sechs Monaten Haft ein etwas milderes Urteil. Beide hatten während der Tat unter Bewährung gestanden. Es war ein vergleichsweise nichtiger Anlass, der sie wieder auf die Anklagebank gebracht. Kevin K. hatte die ehrenvolle Aufgabe, für den Motorradclub „Brothers MC Westside“ das „Chapter Oberhausen“ zu gründen. Ein 27-Jähriger hatte Interesse gezeigt, im Boyer Hof kam es zu einem ersten Treffen am 31. Januar. Da war der Abend noch nett, erinnerte sich der 27-Jährige. Gegessen und getrunken hätten sie, danach weiß er nicht mehr viel. Aber gemeinsam waren sie zum Alpincenter gefahren. Bedrohlich wirkte die Situation, so dass der 27-Jährige sich ins Auto setzte und losfuhr. Dabei erschreckte er wohl Kevin K., den „President“ des neuen Clubs. Im Gegensatz zur Anklage stellte das Gericht aber nicht fest, dass er bei seinem rasanten Anfahren den Präsidenten mit geschleift hatte.

Weil seine Fahrkünste durch Alkohol getrübt waren, verlor er die Kontrolle über sein Auto, setzte es auf einem Findling auf. Die Angeklagten und ein Komplize setzten nach, zerrten ihn aus dem Auto. Mit Händen und Füßen schlugen sie auf ihn ein. Gesichtsverletzungen, Brüche, erlitt der 27-Jährige, der sich später aus dem Wagen selbst befreite.

Die Geständnisse der beiden Angeklagten verkürzten den Strafprozess erheblich. Dadurch war das Gericht bereit, die beiden Bottroper vergleichsweise milde zu bestrafen. Die Brutalität ihrer Tat angesichts eines eigentlich wehrlos am Boden liegenden Mannes verhinderte aber weitere Milde. Richterin Gabriele Jürgensen hatte von einer „Eruption von Gewalt“ gesprochen, für die „President“ Kevin K. durch sein Verhalten verantwortlich sei.

 
 

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