Kunst als wissenschaftliche Versuchsanordnung

Eine Frau liegt verkabelt auf einer Arztliege. Im blauen Lichtdämmer quellen Geräusche, Stimmen aus einem Lautsprecher. Die schwach weiß leuchtenden Kabel, die aus dem Kopf heraus Richtung Decke führen, erwecken den Anschein einer Versuchsanordnung in einer Neurologischen Klinik. Ein indirekt erleuchteter Bilderfries mit Personen und Gesichtern zieht sich etwa in Augenhöhe durch den Raum.

Anabel Jujol spielt im Jungen Museum mit diesen Assoziationen.Welche Prozesse laufen im Gehirn ab, wie real sind die Bilder, die wir sehen oder wie lassen sich Sehen und Wissen, Illusion, Realität und Kunst zusammenbringen? Dies sind Fragen, mit denen die Künstlerin sich in ihrer Arbeit - und vor allem jetzt in ihrer Performance „Come Closer/Intravision 2013“ im Jungen Museum - auseinandersetzt.

Dort spürt sie aber weniger Hirnströmen nach. Vielmehr nimmt sie zum Teil eigene Arbeiten unter die sezierende „Lupe“, die als QR-Codes an der Wand mit einem I-Pad „gelesen“ werden können oder als lange Reihe willkürlich anmutender Bildsequenzen am Betrachter vorüberflimmern - sofern er die Videobrille aufsetzt. Anabel Jujol (geboren 1966 in Essen) spielt in ihrer gut zweistündigen Performance mit diesen vermeintlich wissenschaftlich daherkommenden Eindrücken, hinter denen bei aller Abstraktheit im Einzelnen immer wieder der Mensch im Gesamtkontext aufscheint.

Die unterschiedlichen Räume im Jungen Museum werden so zum Parcours des Denkens, Fühlens und Ertastens und stehen so sicherlich auch für die Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmung, sondern verweise auch ein fast hilflos anmutendes Ausgeliefertsein an ein System „Wissenschaft“. Ein längerer Aufenthalt - auf jeden Fall mehr als nur fünf Minuten - in diesen Gedanken-Räumen ist ernsthaft zu empfehlen.

 
 

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