Kranker Bottroper bekommt kein Geld mehr von der Knappschaft

Michael Jacho hofft auf ein für ihn günstiges Urteil beim Sozialgericht  in der nächsten Woche
Michael Jacho hofft auf ein für ihn günstiges Urteil beim Sozialgericht in der nächsten Woche
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Der 53-jährige Kraftfahrer flog im November aus der Krankenkasse raus, das Krankengeld wurde gestrichen. (S)eine Geschichte von der „Krankengeldfalle“.

Bottrop..  Das Jahr 2014 war für Michael Jacho kein gutes. Monatelang war er wegen Burnout und Depressionen krank geschrieben und am Ende flog er noch aus seiner Krankenkasse raus. Sein Krankengeld wurde gestrichen, sein Antrag auf Hartz IV zunächst nicht bearbeitet. „Ich bekomme seit zwei Monaten kein Geld, habe keine Krankenversicherung mehr und bin mit der Miete im Rückstand“, wandte sich der 53-jährige Bottroper Hilfe suchend an die WAZ-Redaktion.

Was war geschehen? Bis zum 30. November war Michael Jacho von seinem Arzt krank geschrieben worden. Weil das ein Sonntag war, ging er am Montag, 1. Dezember, wieder zum Arzt, der ihn für weitere zwei Wochen arbeitsunfähig schrieb. Doch das machte seine Krankenkasse, die Knappschaft, nicht mit. Er hätte frühzeitiger – nämlich bereits am Freitag, 28. November – zum Arzt gehen und seine weitere Arbeitsunfähigkeit bescheinigen lassen müssen, teilte ihm die Knappschaft mit, kündigte ihm die Krankenversicherung und strich sein Krankengeld.

Es gab nicht einmal Lebensmittelgutscheine

Michael Jacho wandte sich daraufhin an das Jobcenter: „Am 12. Dezember habe ich dort sämtliche Papiere abgegeben.“ Geld aber habe er immer noch nicht bekommen, auch nicht die versprochenen Lebensmittelgutscheine für die Zeit über Weihnachten. „Denen fällt immer wieder was Neues ein“, klagt Jacho. „Ich habe Angst, dass mir jetzt die Wohnung wegen der ausstehenden Mietzahlungen gekündigt wird.“

Krankgeschrieben ist er immer noch. Sein Arzt habe ihm die neuen Bescheinigungen mangels Krankenversicherung als Attest ausgestellt. Der Arzt habe im übrigen auch die Verantwortung für die nicht nahtlose Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung übernommen, erklärt Jacho, der jetzt vor dem Sozialgericht in Gelsenkirchen gegen die Knappschaft klagt, verhandelt wird am 10. Februar.

Jobcenter spricht von mangelnder Mitwirkung

Mangelnde Mitwirkung was Hartz IV angeht, wirft das Jobcenter dem Antragsteller vor, der schon den Grundantragstermin sowie weitere versäumt habe, erklärt Thorsten Bräuniger, der Geschäftsführer des Jobcenters. Im übrigen müsse der Bottroper erst seine Ansprüche gegenüber der Krankenkasse durchsetzen, bevor das Jobcenter überhaupt tätig werden könne. Nach einem weiteren Gespräch am Montagmorgen wurde Michael Jacho dann aber immerhin ein Vorschuss von 100 Euro gewährt und noch am Vormittag seine Wohnung inspiziert.

Dass Michael Jacho ab dem 10. Februar wieder das erhoffte Krankengeld erhält, davon geht Claudia Müller, Pressesprecherin der Knappschaft in Bochum, allerdings nicht aus: „Da sind uns vom Gesetz her die Hände gebunden.“ Das schreibe nämlich die Nahtlosigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vor. Die neue AU müsse am letzten Tag der alten AU eingereicht werden, im Falle von Jacho also bereits am Freitag, 28. November. Wer Krankengeld beziehe, so Claudia Müller, werde darauf auch schriftlich hingewiesen.

In die „Krankengeldfalle“ getappt

„Es kommt aber immer wieder zu solchen Härten“, so die Pressesprecherin. „Krankengeldfalle“ heißen sie in der Öffentlichkeit und wurden bereits mehrfach gerichtlich geprüft. Erst im Januar hielt das Bundessozialgericht abschließend an der „Krankengeldfalle“ fest und forderte zugleich den Gesetzgeber auf, vorhandene Regelungslücken zu schließen.

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