Kolüsch geht in die Sommerpause

Im Pfarrheim St. Barbara fand die letzte Kolüsch-Essensausgabe statt. Christina Aziri (stehend, links) und Oskar Hautkappe servierten.
Im Pfarrheim St. Barbara fand die letzte Kolüsch-Essensausgabe statt. Christina Aziri (stehend, links) und Oskar Hautkappe servierten.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.  Wenn ein Restaurant schließt, sind die Gäste mitunter enttäuscht und sehen sich nach einer anderen Adresse um. Wenn aber in Bottrop für das Restaurant der Herzen, die Suppenküche Kolüsch, nach drei intensiven Monaten im Frühjahr die Ausgabe-Saison beendet wird, dann bleibt eine kleine Leere zurück - nicht nur bei den Gästen, auch bei den vielen Helfern. Abschiedsstimmung im Barbaraheim am Unterberg.

Klassisch-bürgerlich

Die Helfer lassen sich nichts anmerken. Liebevoll wie jeden Tag werden die Tische gedeckt, schwungvoll das Essen ausgeteilt, aufmerksam Mut zugesprochen. Und doch: „Ein bisschen Wehmut kommt schon auf“, gesteht Claudia Kretschmer, Leiterin der evangelischen Sozialberatung (ESB). Die ESB organisiert Winter für Winter die Suppenküche – und zwar neben dem „laufenden Betrieb“ der Hilfe für Wohnungslose. Wer aber beobachtet, mit welcher Begeisterung sie alle mit anpacken bis zum letzten Tag, der merkt: Das ist für sie mehr als eine Aufgabe, an Kolüsch hängt ihr Herz.

Einer, der das zum ersten Mal erlebt, ist Felix Brill. Der Sozialarbeiter gehört erst seit Dezember 2013 zum festen Team der ESB. „Ich bin sehr angenehm überrascht“, sagt er. „Und was man so gemeinhin unter Suppenküche versteht, trifft hier gar nicht zu. Die Bezeichnung ,Restaurant der Herzen’ trifft es viel besser.“

In den vergangenen drei Monaten hat das neunköpfige Team täglich 80 bis 100 warme Mahlzeiten an die bedürftigsten unter den Bottroper Bürgern ausgeben. „Die Suppenküche war jeden Tag gut besucht“, bilanziert Claudia Kretschmer. Allerdings: Die jungen Armen werden seltener erreicht. „Wir begegnen vor allem der Altersarmut.“

Am beliebtesten bei den Gästen sei die klassische bürgerliche Küche: Kartoffeln, Fleisch, Gemüse. „Reis kommt nicht so an“, weiß Hans-Georg Zsolnai. Er ist Fahrer bei der ESG und hat kürzlich als Hobbykoch mit seiner Gyros-Suppe bei den Gästen äußerst beliebt gemacht. „Die kam super an“, sagt der frühere Bergmechaniker stolz.

Gitte (63), Ritschi (55) und Doris (56) sind traurig darüber, dass die Kolüsch-Saison beendet ist. „Schade“, sagen sie im Chor. Am letzten Tag tauscht die Gruppe Adressen aus. „Wir wollen uns weiter treffen und gegenseitig helfen“, sagen sie. Von Doris hat Ritschi schon mal einen Auftrag bekommen: Ihr Klappstuhl ist kaputt.

Bei Kolüsch wird also nicht nur gegessen, da wird auch so manche Freundschaft geschlossen.

 
 

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