„Kolüsch“ bittet arme Menschen in Bottrop wieder zu Tisch

Hugo (li.) und Dieter werden von Andre Hennig vom Team der  ESB bedient.Serviert wurde Grünkohl.
Hugo (li.) und Dieter werden von Andre Hennig vom Team der ESB bedient.Serviert wurde Grünkohl.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Etwas Warmes braucht der Mensch. Besonders im Winter. Die Suppenküche ist wieder eröffnet. Obdachlose und arme Menschen erhalten dort warmes Essen.

Bottrop.. Draußen wird es wieder kälter und doch: Viele Menschen freuen sich nicht nur auf diese Zeit, sie haben sie geradezu herbeigesehnt: Denn jetzt beginnt wieder eine spezielle Restaurant-Saison, jetzt öffnet wieder das Restaurant der Herzen, die Suppenküche Kolüsch, für wohnungslose und arme Bürgerinnen und Bürger.

Und für das Team der Evangelischen Sozialberatung (ESB) um Claudia Kretschmer, das die Suppenküche mit der Evangelischen Kirche organisiert, beginnt wieder eine „heiße“ Zeit. Das Team sorgt dafür, dass die Gäste bis zum 13. März mittags an einem liebevoll gedeckten Tisch sitzen können, eine Mahlzeit bekommen und Kaffee, und dass sie auch mal ein Brot oder ein Stück Kuchen mit nach Hause nehmen können.

"Danke allen Spendern"

„Hier gibt es nicht nur Essen, hier gibt es Wärme“, mit diesen Worten charakterisierte Pfarrer Ulrich Schulte, Vorsitzender des Presbyteriums, bei der Eröffnung der Kolüsch-Saison am Montag dieses Angebot. Möglich wird es, weil neben der Stadt, die einen Sockelbetrag zur Finanzierung beiträgt, auch viele Bürger, Vereine, Verbände und Firmen mit ihren Spenden dazu beitragen, dass es Kolüsch überhaupt gibt. „Danke allen Spendern und dem ESB-Team“, lobte denn auch Renate Palberg, SPD-Ratsfrau und Vorsitzende des Sozialausschusses in ihrer Eröffnungsrede.

Kolüsch ist wohl das einzige Restaurant in Bottrop, dass mit der Herzenswärme seiner Bürger betrieben wird. Von diesem bürgerschaftlichen Engagement sind auch Oberbürgermeister Bernd Tischler und Kämmerer Willi Loeven beeindruckt. Sie ließen es sich nicht nehmen, bei der Eröffnung dabei zu sein.

"Das sind sehr schöne Gespräche"

Lange sprach Tischler nachher mit den Gästen, ging von Tisch zu Tisch und hörte ihnen zu. „Man lernt viel von ihnen“, sagte der Oberbürgermeister, hinter jedem Gast verberge sich ein Schicksal. Einige der Gäste kennt der Oberbürgermeister vom schon traditionellen Heilig-Abend-Treffen für Alleinstehende der Evangelischen Kirche, die er in jedem Jahr besucht. „Das sind sehr schöne Gespräche, und ich versuche, im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten der Stadt, auch zu helfen.“

"Das war mehr als eine Geste"

Der 56-jährige Ritchie hat sich über den Besuch des OB sichtlich gefreut. „Das war mehr als eine Geste“, strahlt er. Und er habe ihn gefragt, warum die Suppenküche nur immer bis März öffnet, erzählt er. Obschon, die Antwort kennt Ritchie ja. Überall fehlt Geld.

Karl und Hugo sind bei Kolüsch Freunde geworden

Karl, 76, und Hugo, 79, haben die Eröffnung schon innig erwartet. Beide kommen seit vielen Jahren, sie haben sich bei Kolüsch kennengelernt und sind Freunde geworden. Sie sitzen immer mit Dieter, 74, an demselben Tisch. „Allein etwas zu brutzeln, das ist doch nichts“, winkt Hugo ab. Und Karl ergänzt: „Ich bin ein bescheidener Rentner.“ Geld für ein warmes Essen jeden Tag – das sei knapp. Aber sie kommen nicht allein wegen der warmen Mahlzeit, sie kommen auch wegen der Gespräche. „Die Gesellschaft“, sagt Karl, „Freunde, das ist doch wichtig.“ Und das gibt es tatsächlich nur bei Kolüsch.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel