Kochkurs wirkt im Leben der Teilnehmer weiter

Koch Klaus und sein engagiertes Team beim Abschluss-Kochen in der Küche des Martinszentrums.
Koch Klaus und sein engagiertes Team beim Abschluss-Kochen in der Küche des Martinszentrums.
Foto: FUNKE FotoServices
Bei der Evangelischen Sozialberatung haben Bedürftige gelernt, wie sie gesund und günstig kochen.Ihr Engagement machte sie zum Vizemeister der revierweiten WAZ-Aktion „Das isst der Pott“

Bottrop..  Kunstvoll hat Doris die Servietten zu Blüten gefaltet, Kerzen und Blumen stehen auf dem langen Tisch im Martinszentrum. Aus der offenen Küche, in der eine Handvoll Leute geschäftig hantiert, duftet es verlockend. Zum Abschluss des Kochkurses der Ev. Sozialberatung (ESB) legen sich alle Teilnehmer noch einmal richtig ins Zeug. Seit dem Frühjahr haben Wohnungslose und Bedürftige hier gemeinsam geschnippelt, gebrutzelt und gespeist. Sind bei der ruhrgebietsweiten WAZ-Aktion „Das isst der Pott“ mit ihrem Dicke-Bohnen-Gericht Vizemeister geworden. Und haben ihren Koch Klaus „dumm und dusselig gefragt“, wie der Profi das große Interesse derjenigen auf den Punkt bringt, die sich im Laufe der Monate als harter Kern des Kochprojekts herauskristallisiert haben: „Ich hoffe, dass jeder Einzelne daraus etwas mitgenommen hat.“

Das Koch-Projekt mag zu Ende sein, aber es wirkt weiter im Leben der Beteiligten. Davon ist Sozialarbeiterin Claudia Kretschmer überzeugt. Nicht nur, dass die Teilnehmer nun sämtliche Grundbegriffe des Kochens kennen und mehr über (günstige) Lebensmittel wissen. Das Projekt „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ diente auch als Schub fürs Selbstbewusstsein für die Männer und Frauen, die oft in schwierigen Lebenssituationen stecken, meint Kretschmer. Und Spaß gemacht hat es sowieso.

Doris und Tina sind daher schon ein wenig traurig, dass jetzt Schluss ist mit dem gemeinsamen Kochen. „Es war gut, mal andere Gerichte gezeigt zu bekommen“, findet Tina, die zu Hause regelmäßig am Herd steht. Das anschließende gemeinsame „fast familiäre“ Essen war für sie auch eine schöne Abwechslung – wie für viele Teilnehmer.

Aber es war ja nicht nur das Kochen und Speisen! Dienstags, beim gemeinsamen Frühstück, haben sie schon das Menü für freitags geplant. In Einkaufsgruppen sind Teilnehmer losgezogen, um die Zutaten selbst einzukaufen (für rund 2,50 Euro pro Mittagsmahlzeit, das war die Vorgabe). Wenn sie diese nicht gleich selbst geerntet haben: Im Garten der Wohngruppen für Obdachlose zogen Freiwillige Gemüse, das später im Topf landete. „Zwischenzeitlich wurden wir von den Zucchinis fast erschlagen“, beschreibt Kretschmer den Erfolg des eigenen Anbaus. Zur Gesamtaktion gehörten auch Informationen rund um die Ernährung und Ausflüge, etwa zum Spargelmuseum. Immer begleitet von Hans Zsolnay, für den durch Unterstützung von Jobcenter und Ev. Kirche in dem Projekt ein Arbeitsplatz entstand.

Das Koch- und Ernährungsprojekt, finanziert durch Vinci-Stiftung und Westfälischen Herbergsverband, endet. Aber das Thema Speisen bleibt. Kretschmer: „Die Suppenküche steht vor der Tür.“

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