Kirchhellener Heideschlösschen bleibt in Erinnerung

Bagger machten vor 35 Jahren das Grillo-Schlösschen in der Kirchheller Heide dem Erdboden gleich. Foto:Friedhelm Wessel
Bagger machten vor 35 Jahren das Grillo-Schlösschen in der Kirchheller Heide dem Erdboden gleich. Foto:Friedhelm Wessel
  • Bagger rissen vor 35 Jahren den Jagdsitz der Industriellenfamilie Grillo ab
  • In vielen Fluren finden sich Porzellanteller mit dem Motiv der alten Villa
  • Segelflieger nutzen das Schlösschen nur vorübergehend als Domizil

Bottrop-Kirchhellen.  Es gibt Gebäude, daran erinnern sich Kirchhellener gerne, obwohl sie eigentlich schon lange nicht mehr existieren. Dazu gehören die alte Dorfkirche – sie brannte 1917 nieder – der ehemalige Bahnhof, die ehemalige Gaststätte Schulte-Wieschen und das Grillo-Schloss.

Grillo-Schloss? Genau. Vor genau 35 Jahren, war jedoch das Schicksal des Heideschlösschens besiegelt. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde im November 1981 ein bauliches Kleinod, das aber mit der Geschichte des Reviers eng verbunden war, ohne jeglichen Widerstand von Denkmalschützern, dem Erdboden gleichgemacht.

Im Landhausstil

Über Nacht war ein Bagger an den Heidhof gebracht geworden, um der Villa, die um 1909 im damals herrschaftlichen englischen Landhausstil von der Familie Grillo in Kirchhellen errichtet worden war, still und heimlich abzutragen. Dem Besitzer des in die Jahre gekommenen Bauwerkes, dem heutigen Regionalverband Ruhr, passte das Bauwerk wohl nicht mehr ins Konzept, denn man hatte versäumt hier nach einer entsprechenden Nutzung zu suchen.

So wies das Grillo-Schloss bald auch erhebliche Schäden auf. Welcher Teil der großen Industriellenfamilie Grillo dieses Anwesen als Jagddomizil einst nutzte, lässt sich heute leider nicht mehr genau feststellen. Es ist aber anzunehmen, dass wegen der räumlichen Nähe zu Gelsenkirchen die Grillos aus der einst großen benachbarten Zechen- und Hüttenstadt, hier öfter ihre Wochenenden verbrachten.

Für die Allgemeinheit war das Betreten der umliegenden Wälder und damit auch ein Besuch des Jagdschlosses während der Grillo-Ära jedoch untersagt.

1920 wurde dem Schloss schließlich ein Gutsbetrieb angegliedert. Das Aus dieses Hofes erfolgte bereits in den 1950er-Jahren. Während ins Grillo-Schloss vorübergehend noch von den Segelfliegern der nahen Schwarze Heide genutzt wurde, änderte sich 1973 alles schlagartig, denn der damalige Kommunalverband Ruhr – heute Regionalverband Ruhr - übernahm Hof, Schloss und Wald.

Am Heidhof

Aus dem Heidhof, den die Industriellenfamilie Grillo früher lange als landwirtschaftlichen Betrieb führte, wurde später ein Forststützpunkt. An den einstigen Jagdsitz der Familie Grillo am Heidhof erinnert heute nichts mehr. Dort, wo sich einst das Schlösschen stolz und prächtig in den Heidehimmel erhob, steht heute eine große funktionale Grillhütte.

 
 

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