Zwei Brüder trotzen dem Branchentrend

n der Wurstküche: von links  Jan Scharun, Azubi Jonatan Holter, Meister Burkhard Scharun mit dem silbernen Meisterbrief, Markus Nogaj und Philipp Scharun. Die Würste links sind, wie die Form schon vermuten lässt, eine Spezialanfertigung für die Schützen der Alten Allgemeinen.
n der Wurstküche: von links Jan Scharun, Azubi Jonatan Holter, Meister Burkhard Scharun mit dem silbernen Meisterbrief, Markus Nogaj und Philipp Scharun. Die Würste links sind, wie die Form schon vermuten lässt, eine Spezialanfertigung für die Schützen der Alten Allgemeinen.
Foto: Fabian Strauch
  • Die Scharun-Brüder führen ihre Metzgerei in der vierten Generation
  • Als Vehikel für ihre Markenbotschaft setzen sie auf die Gastromeilen der Region
  • In der Wurstküche am Wienberg werden wöchentlich bis zu vier Tonnen Fleisch verarbeitet

Die Biometzger-Brüder Burkhard und Ulrich Scharun absolvieren gerade ein Jubiläums-Jahrzehnt. 2012 feierten sie den 100. Geburtstag des Familienbetriebes. Jetzt hat Burkhard Scharun von der Fleischerinnung anlässlich des 25. Jahrestages seiner Meisterprüfung den silbernen Meisterbrief bekommen. Und 2018 können die Scharuns das 25-jährige Bestehen ihres Standortes im Dorf feiern. Anlässe genug für Rückblick und Ausblick.

Im Rückblick sieht Burkhard Scharum vor allem: Die Fleischer sterben aus. „Anfang der 70er Jahre gab es in der Fleischerinnung Bottrop/Gladbeck noch 64 Mitgliedsbetriebe. Jetzt sind wir nur noch zwei Produktionsbetriebe“, neben den Scharuns der Kirchhellener Betrieb Riesener. Woran das liegt? Natürlich haben auch in der Fleischverarbeitung die großen Firmen und Ketten den Markt weitgehend erobert, die Marktnischen werden immer kleiner. „Das einfache Metzgerkonzept reicht schon lange nicht mehr“, sagen Burkhard und Ulrich Scharun aus Erfahrung.

Für die Scharuns heißt die Marktnische seit dem Jahr 2000 Bio. Als erste und, wie sie sagen, bis heute einzige Metzgerei in Bottrop und Kirchhellen haben sich die Scharuns dem Thönes-Verbund angeschlossen aus Bauernhöfen, Schlachtereien und Metzgereien, die sich verpflichtet haben zur verantwortungsvollen Land- und Fleischwirtschaft. 2002 folgte der nächste Schritt: die Umstellung von Produktion und Verkauf auf ein Bio-Vollsortiment. „Wir produzieren zu 95 Prozent selbst“, sagt Burkhard Scharun. „Pro Woche verarbeiten wir bis zu vier Tonnen Rohware.“ Und die Metzger nehmen sich Zeit dafür. „ Unsere 14 Sorten Dauerwurst reifen zwei Monate, ein Schinken reift ein Jahr. Vieles produzieren wir wie die Metzger früher.“ So haben die Brüder gerade im Sauerland eine neue Rauchanlage bestellt.

„Wir wollten aus dem eigenen Namen eine Marke machen mit den Alleinstellungsmerkmalen Bio und Regionalität“, sagt Ulrich Scharun. Der Weg dorthin führt die Scharuns über die Gastromeilen. Angefangen haben sie vor der Ladentür bei der sommerlichen Kulinarischen Landpartie auf dem Johann-Breuker-Platz und dem Spargel-Gourmet-Festival zu Pfingsten auf dem Hof Umberg. Weitere Meilen-Auftritte sind hinzugekommen. Burkhard Scharun zählt auf: „In diesem Jahr waren wir in Lüdinghausen, in Schermbeck, in Essen-Kettwig und auf Zollverein.“

Bei diesen Auftritten gewinnen sie Interessenten an ihrem Sortiment. Entsprechend breit gestreut ist die Stammkundschaft: „Unsere Kunden kommen aus einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern“, sagt Ulrich Scharun. Und wer auf einer Gastromeile Currywurst und Burger verkostet hat, fährt auch mittags gern bis nach Kirchhellen oder in die Bottroper Innenstadt. „Unser Mittagstisch ist gewachsen in den letzten Jahren“, sagen die Scharuns. „Der Fleischverkauf ist zurück gegangen, der Wurstumsatz steigt.“

Die fünfte Familiengeneration soll dafür sorgen, dass das so weitergeht. Sohn Jan bereitet sich bereits auf seine Meisterprüfung vor, Sohn Philipp hat in der Gastronomie gelernt.

 
 

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