Zu Kirchhellens Brezelfest kommt Besuch von der Mosel

SenheimsBürgermeister Lothar Stenz (links) und der gebürtige Bottroper Jürgen Sonnet (rechts) mit einer echten Grubenlampe - ein Geschenk aus Bottrop. Foto:Friedhelm Wessel
SenheimsBürgermeister Lothar Stenz (links) und der gebürtige Bottroper Jürgen Sonnet (rechts) mit einer echten Grubenlampe - ein Geschenk aus Bottrop. Foto:Friedhelm Wessel
  • Kompletter Gemeinderat aus Senheim nimmt am Kirchhellener Volksfest teil
  • „Papa, das musst du mal gesehen haben“, schwärmte einst die Weinkönigin
  • Bürgermeister Senheims fuhr früher mal auf Bäckerfahrrad beim Brezelumzug mit

Senhein. Kirchhellen..  Der Zeigefinger der linken Hand liegt auf dem Mikroschalter, es ist 11.01 Uhr und plötzlich steht ein Mann mittleren Alters im Raum und fragt: „Lothar, gibt es heute keine Mitteilungen?“ Der Angesprochene nickt nur und legt den Schalter um, routiniert liest Lothar Stenz nun die Dorfnachrichten von einem großen Zettel ab. Nach ein paar Minuten ist es geschafft, und der 66-Jährige hat wieder Zeit für seinen Gast. „Hier in Senheim bin ich Mädchen für alles“, lacht der ehrenamtliche Bürgermeister des kleinen Moselortes, der seit über 80 Jahren mit Kirchhellen verbandelt ist.

Damals wurde dem Vest Recklinghausen - und damit auch Kirchhellen - eine sogenannte „Weinpatenschaft“ an den durstigen Gaumen gelegt. Und sie ist vermutlich die letzte, die heute noch intensiv an der Mosel, Im Vest Recklinghausen und in Kirchhellen gepflegt wird.

Seit 2004 kümmert sich Lothar Stenz, der im Hauptberuf Bäcker- und Konditormeister ist, nebenberuflich um das Wohl und Wehe seines kleinen Heimatortes. „Wir werden von den Bürgern direkt gewählt. Die Parteizugehörigkeit spielt dabei keine Rolle. In unserem Gemeinderat geht es um die Sache, um unser Senheim. Dabei rücken die Parteien in den Hintergrund. Dieses Verfahren hat sich bei uns sehr bewehrt“, erzählt Bürgermeister Stenz nach dem üblichen lokalen Rundspruch in seinem funktionalen Dienstzimmer im Erdgeschoss des Bürgerhauses.

Obwohl der Moselort Senheim-Senhals nur etwa 500 Einwohner hat, kann Bürgermeister Lothar Stenz nicht über zu wenig Arbeit klagen. Er ist ein Kümmerer. Ob Jugend, Feuerwehr, Verkehrswesen, Tourismus, Senioren oder Kindergarten, überall ist sein Rat gefragt. „Wir sind eine aufstrebende Gemeinde“, berichtet Stenz nicht ohne Stolz. Er und seine 16 Mitstreiter im Gemeinderat wollen demnächst die Erweiterung des Kindergartens beschließen. Eine dritte Gruppe soll den Betrieb aufnehmen. „50 Kinder werden dann hier betreut“, unterstreicht der Ortsvorsteher, der sich aber auch um den rund 700 Hektar großen Gemeindewald und um vier Jagdbezirke kümmern muss.

Wenig Zeit für Hobbys

Da bleibt wenig Zeit für Hobbys. „Ich liebe den Sport, habe früher selbst aktiv Fußball und Tennis gespielt und bin sehr viel mit dem Rad gefahren“, berichtet Stenz, der gegenwärtig mit seinem Gemeinderat die Umstellung der alten Dorfbeleuchtung auf modernes LED-Licht erörtert. Die Tagesordnungen für die zehn Sitzungen im Jahr spricht Lothar Stenz mit einem für die 24 Landgemeinden der Kreises Cochem zuständigen hauptamtlichen Verwaltungsmitarbeiter ab. „Daher pendele ich oft zwischen meinem Büro im Senheimer Rathaus und dem Sitz der Kreisverwaltung in Cochem hin und her“, erzählt Stenz.

Seine Weinpatengemeinde Kirchhellen kennt der Bürgermeister aus dem „Golddorf Senheim“, wie sich der Moselort seit 2015 auch offiziell nennen darf, sehr gut. „Bereits Ende der 1970er-Jahre nahm meine Tochter Christina erstmals als Amitierende Weinkönigin an einem Brezelfest teil. Und sie war begeistert: „Papa, das muss du mal gesehen haben“, schwärmte sie,“ erinnert sich Lothar Stenz, der sich als Bäckermeister natürlich für die traditionsreiche Geschichte der Kirchhellener Brezelgesellschaft interessierte.

„So habe ich dann Jahre später mal als Bäcker auf einem typischen Bäckerfahrrad als Brezelverteiler am Festumzug in Kirchhellen teilgenommen. Ein tolles Fest“, schwärmt er und hat bereits Pläne für das Fest 2017: „Ich werde mit dem gesamten Senheimer Gemeinderat an dem Volksfest teilnehmen. Da die Kirchhellener hier seit über 80 Jahren viele gute Freunde haben, werden sicherlich etliche Senheimer dieser Einladung folgen“. Bis es so weit ist, wird Stenz sicherlich auch bei den dörflichen Lautsprecherdurchsagen für das Brezelfest werben.

 
 

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