Regensicheres Pflücken im Tunnel

Obstexperte Jörg Umberg setzt bei Himbeeren auf den Tunnelanbau, in diesem Jahr erstmals mit Sträuchern in Töpfen. Foto: Franz Naskrent / WAZ FotoPool
Obstexperte Jörg Umberg setzt bei Himbeeren auf den Tunnelanbau, in diesem Jahr erstmals mit Sträuchern in Töpfen. Foto: Franz Naskrent / WAZ FotoPool
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Es geht doch nichts über den Obstanbau in Tunneln. Die Pflanzen gedeihen relativ geschützt vor Frost und Regen, für die Ernte verlieren Wind und Wetter eh’ ihren Schrecken. Neben dem wachstumsfördernden Treibhauseffekt ein zweiter Grund für Kirchhellens Bauern, bei Erd- und Himbeeren verstärkt auf den Tunnelanbau zu setzen. Obstexperte Jörg Umberg hat auf 1,4 Hektar in 14 Folientunneln auf den Äckern gegenüber seinem Hof am Overhagener Feld eine neue Variante eingeführt: Himbeersträucher in Töpfen. Nur noch auf 0,3 Hektar lässt er die Himbeer-Ruten im Acker-Boden sprießen.

Selbstpflücke ab heute

Die mit 1,80 m Höhe bereits „erwachsenen“ Himbeer-Pflanzen werden bei den Pflanzenvermehrern aus dem Kühlhaus heraus gekauft, zwei pro Topf. Und schon acht bis zehn Wochen nach dem Raussetzen in die Tunnel ist Erntezeit. „Wir setzen die Pflanzen in drei Chargen: die erste Ende März, die zweite im Mai, die dritte Ende Juni – bis November können wir in den Tunneln Himbeeren pflücken“, so Umberg, „zudem besitzen die Himbeeren eine bessere Qualität und Haltbarkeit als im Freiland.“ Und auch das Pflücken ist viel bequemer. Durch die Tunnel ziehen sich Netzsyteme, an denen die Himbeeren hochklimmen. „Unsere Erntehelfer schaffen etwa sechs Kilo pro Stunde, im Freilandanbau waren es vier Kilo“, weiß Umberg. Ab heute kann Otto Normalverbraucher testen, wie es sich in der neuen Anlage pflücken lässt. Die Selbstpflücke ist eröffnet, täglich von 8 - 16 Uhr.

Tonnenweise Ernteverluste

Für die Obsternte 2012 beklagt Umberg ansonsten „tonnenweise Verluste, solche Wetterkapriolen haben uns das letzte Mal vor über 20 Jahren die Ernte verhagelt.“ Vor allem bei den Erdbeeren. „Der Winterfrost im Februar hat bereits bei der Pflanzung Schäden an den Wurzelsystemen verursacht, dann folgten eine lange Kälte- und Nässephase, zwischenzeitlich eine kurze Hitzeperiode und ab April, noch bis in den Juni hinein, hat der Frost die Blüten bei Erdbeeren, Äpfeln und Birnen erwischt.“ Selbst den Zwetschgen, bei denen bis zur Blüte alles relativ optimal verlaufen sei, habe der Frost in der Nacht auf den 1. April übel zugesetzt. Umberg: „Die Blüten wurden nicht ordentlich befruchtet, viele sind von den Bäumen gefallen.“

Und um die Selbstpflücke bei den Erdbeeren zu retten, werden die Plantagen regelmäßig von den Erntehelfern nach schadhaften Früchten durchkämmt. „Im Prinzip werden sie also bezahlt fürs Müllpflücken“, seufzt Umberg.

 
 

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