Märchen sind Frauensache – zumindest in Kirchhellen

Monika Boguslawski gestaltete den Mächenabend im Jugendkloster. Foto: Heinrich Jung
Monika Boguslawski gestaltete den Mächenabend im Jugendkloster. Foto: Heinrich Jung
Foto: WAZFotoPool

Kirchhellen.. Das Ambiente konnte eigentlich nicht besser sein, um Märchen zu erzählen: Am Kamin des Kirchhellener Jugend-Klosters. Gedämpftes Licht, Kerzen und ein leichter Rauchduft empfing wieder die Zuhörer. Unter dem mächtigen Kamin mit den „antiken Jagdfresken“ erzählt Monika Boguslawski gerne ihre Märchen.

„Ich möchte Ihrer Fantasie Flügel geben“, begann die 65-jährige Kirchhellenerin die Veranstaltung mit einem deutschen Märchen. Und es stammte natürlich von den Gebrüdern Grimm. Zwischen den Märchen und nach einer kurzen Begrüßung durch Pater Rodewald, gab es musikalische Einlagen von Ramona Schnieder (Harfe) und Anke Mengede(Querflöte), die auf einer kleinen Empore innerhalb des holzvertäftelten Kaminzimmers saßen.

Rund 90 Kirchhellener, darunter etwa zehn Männer, hingen dann an den Lippen der Erzählerin, die aber keine Märchen vorlas, sondern sehr gekonnt frei erzählte. „120 Märchen gehören inzwischen zu meinem Repertoire“, berichtet später Monika Boguslawaski, die ihre Zuhörer an diesem Abend nach Irland, Russland und China entführte.

„120 Märchen gehören inzwischen zu meinem Repertoire“

Dabei geht es um Prinzessinnen, Könige und edle Ritter, die um ihre Angebetete mit allen erlaubten Mitteln kämpften. Dass Monika Boguslawski auch auf Märchen zurückgreift, die nicht so geläufig sind, ist selbstverständlich. So erzählte sie im Schatten des Kaminfeuers die Mär von den drei Prinzessinnen, die das Königreich ihres Vaters übernehmen wollen. Der greise König bittet um besondere Gaben. So bringen sie Gold, Edelsteine und Salz. Erst spät erkennt der Herrscher, warum das weiße Gold so wichtig ist und ernennt diese Überbringerin zur neuen Regentin.

Wanja Kümmerling war der Held des russischen Märchens, das die Kirchhellenerin im Jugend-Kloster erzählte. Hier ging es um einen allmächtigen, zaubernden blutrünstigen Zaren, der aber von Kümmerling schließlich überlistet wird.

Auch in dem irischen Märchen drehte sich alles um eine schöne Prinzessin, die aber das Leben der Tinker vorzieht und alle Leiden eines einfachen Lebens durchlebt, bevor sich der schöne, in Lumpen gehüllte Wanderarbeiter neben ihr, sich als Prinz von England zu erkennen gibt.

Um „blaue Rosen“ ging es in dem chinesischen Märchen. Dabei werden aus normalen weißen Blumen plötzlich die geforderten „Blauen Rosen“: Alles eine Sache der Betrachtung. So erhielt Monika Boguslawski nach dem Märchenabend am dem Kamin einen Strauß Rosen, die waren aber nicht blau. „Kommt ja auf die Sehweise an,“ erklärte die Märchenerzählerin, die seit 1998 zweimal im Jahr an den Kamin einlädt, um meist einer weiblichen Zuhörerschaft Märchen aus aller Welt näher zu bringen

„Warum Männer keine Märchen mögen“, darauf weiß auch die Frau, die 120 Geschichten von schönen Prinzessinnen und bösen Zauberern erzählen kann, leider auch nicht.

 
 

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