Hilfsaktion aus Grafenwald endet nach 20 Jahren

Ladestation Kirchplatz: Mitglieder der ARG Grafenwald beim Verladen der Spendenpakete.
Ladestation Kirchplatz: Mitglieder der ARG Grafenwald beim Verladen der Spendenpakete.
Foto: Friedhelm Wessel
  • Seit 1997 sammeln Ehrenamtliche für Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Mozyr
  • Nächsten Sommer reist zum letzten Mal eine Gruppe aus Grafenwald nach Weißrussland
  • Organisator: Unsere Projektte liegen jetzt vor Ort in guten Händen

Als vor 30 Jahren die Reaktorkastrophe von Tschernobyl die Welt in Atem hielt, war auch die in unmittelbare Nähe liegende Stadt Mozyr von den Strahlungen betroffen. Es dauerte aber noch etliche Jahre, bis die ARG Heilige Familie Grafenwald intensiv nach Weißrussland blickte. Zunächst hatte sie eine Spendenaktion organisiert für Länder, die in 1990er-Jahren unter dem Balkankrieg litten.

1997 kamen die Grafenwälder dann auf die Idee, die Aktion „Lebenszeichen Tschernobyl“ zu unterstützen. „Motor“ in Grafenwald war der ehemalige Haniel-Steiger Clemens Eulering (1936 bis 2006). Nach seinem Tod vor zehn Jahren übernahm sein Stellvertreter Klaus Frank, ebenfalls ein „Mann der ersten Stunde“, die Koordination der Hilfstransporte nach Weißrussland. Doch nun ist ein Ende in Sicht: „Im Juni 2017 endet unser Engagement“, sagt der 77-jährige Frank.

Seit 19 Jahren betreut die Gemeinschaft Projekte im Großraum Mozyr. Bisher brachten die Konvois aus Grafenwald und Gladbeck zusammen über 650 Tonnen Hilfsgüter nach Weißrussland. „Das waren 38 Fahrten über je 1750 Kilometer,“ unterstreicht Klaus Frank, „alles in allem haben wir damit rund 133 000 Kilometer zurückgelegt. Gut dreimal um die Erde.“

Dank an Spender

Die Organisatoren danken nicht nicht nur den unzähligen Spendern und Helfern, sondern auch der Firma Timmerhaus, die für 38 Transporte immer kostenlos LKW, Fahrer und sogar Diesel zur Verfügung stellte, Die Gemeinschaft aus Grafenwald unterstützt in Mozyr unter anderem einen Sozialfond, der es erlaubt, Häuser von alten, einsamen Menschen instandzusetzen. Hinzu kommt die Kindererholung. Vor allem sozialschwache Kinder profitieren davon, denn in der dreimonatigen Ferienzeit leidet diese Gruppe sonst oftmals sehr großen Hunger.

„Manchmal werden wir auch auch um Sachspenden gebeten. So erreichte uns ein Hilferuf aus Mozyr. Eine alleinerziehende, kranke Mutter benötigte dringend eine Waschmaschine. Über unseren Kontakt- und Vertrauensperson wurde diese dann angeschafft“, berichtet Klaus Frank weiter. Die Behindertentagesstätte Regenbogen in Mozyr konnte mit finanzieller Hilfe aus Grafenwald und Umgebung rechnen.

„Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen“

Über 11 000 Euro an Spendengeldern standen Frank und seinem kleinen Team pro Jahr zu Verfügung. Weil die Hilfstransporte per LKW inzwischen ganz eingestellt wurden, fliegen die Organisatoren seitdem zweimal im Jahr auf eigene Kosten nach Weißrussland, um dort mit den Verantwortlichen die nächsten Prokjekte zu besprechen.

Doch im kommenden Jahr endet das „Mozyr-Projekt“, das einst von Clemens Eulering angestoßen wurde. Frank: „Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Aber wir werden auch nicht jünger und unsere Projekte sind dort mittlerweile in guten Händen. Im Sommer 2017 wird daher eine Gruppe aus Grafenwald letzmalig nach Mozyr reisen“.

 
 

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