Die Nachfrage war in Kirchhellen nicht da

Die Mieträder „Nextbike“ sind nun auch in Kirchhellen Geschichte
Die Mieträder „Nextbike“ sind nun auch in Kirchhellen Geschichte
Foto: FUNKE FotoServices
Ausgerechnet in der Fahrrad-Hochburg Kirchhellen hat Rad-Verleiher „Nextbike“ alle Stationen abgebaut. Kein Wunder, sagt der Bezirksbürgermeister.

Bottrop-Kirchhellen..  Die kurze Geschichte der Mieträder in Kirchhellen ist klanglos beendet worden. Der Anbieter „Revierrad“ hat es nicht ins Dorf geschafft, jetzt hat auch der bundesweit agierende Radverleiher „Nextbike“ die Notbremse gezogen und die drei Stationen am Brauhaus, am Bahnhof Feldhausen und an der Schulze-Delitzsch-Straße abgebaut Schade eigentlich, findet der Fahrradclub ADFC, die seit Januar 2014 Kooperationspartner des Radverleihers ist. Nicht schade drum, sagt dagegen Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder: „Die Nachfrage war einfach nicht da.“

Schnieder sieht die Sache pragmatisch. Seit 2010 hat der Anbieter „Nextbike“ das Verleihsystem in zehn Ruhrgebietsstädten aufgebaut. Inzwischen ist die Förderung des Bundes für den Aufbau ausgelaufen, und der Anbieter aus Erfurt musste ausrechnen, was sich lohnt und was nicht. Klares Ergebnis: Es rechnet sich in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen, in allen anderen Städten nicht. Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Regionalverband (RVR) haben mit dem Anbieter nachverhandelt und ein immer noch nicht ausfinanziertes Paket geschnürt, mit dem in Bottrop sieben der früher 24 Stationen erhalten bleiben können. Die Stadtorte in Kirchhellen spielen bei diesen Verhandlungen keine Rolle mehr.

Jeder hat sein eigenes Fahrrad

„Wir haben es über Jahre mit diesem Angebot versucht“, sagt Schnieder. „Aber in Kirchhellen hat eigentlich jeder ein Fahrrad, jedenfalls hat es offensichtlich nie eine wirklich große Nachfrage gegeben. Wenn’s nicht angenommen wird, hat der Anbieter das gute Recht, sich zurückzuziehen. Und es ist besser, die Stationen abzubauen, bevor sie zu Schandflecken werden.“

Reinhold Rogowski, Kirchhellener Tourenleiter des Fahrradclubs ADFC, sieht das ein wenig anders und spricht von einer verpassten Chance. „Sie haben Besuch von auswärts und wollen schnell eine Radtour machen. In diesem Moment ist das Mietangebot hoch attraktiv“. So haben es die Rogowskis zum Beispiel gemacht, als sie das in Bonn studierende Patenkind besucht haben. „Außerdem bringen die beiden Freizeitparks inzwischen Einiges an Touristen nach Kirchhellen. Auch das sind potenzielle Mietrad-Kunden.“ Nach seiner Einschätzung hat Anbieter Nextbike das Angebot „nicht geschickt genug publik gemacht“. Außerdem habe es bei der Buchung auf Smartphone-Technik gesetzt, die ein etwas älteres Publikum eher abschreckt: etwa Codes einscannen und per Smartphone bezahlen. Reinhold Rogowski: „Wenn die Kunden fünf Euro einwerfen müssten wie am Zigarettenautomaten, dann würden das mehr Leute tun.

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