Das Ziel ist der nächste Weltmeistertitel

Svenja Schanz ( VfL Grafenwald ) ist Weltmeisterin im Einradfahren .
Svenja Schanz ( VfL Grafenwald ) ist Weltmeisterin im Einradfahren .
Foto: WAZ FotoPool
Wenn Svenja Schanz (22) nicht für die Einrad-WM 2016 in Spanien trainiert, arbeitet sie in einem Fitness-Studio oder bildet den Einrad-Nachwuchs aus

Der Sattel rutscht über den Boden, das Einrad wird über Kopf gesteuert, gedreht, gestep-walkt und im Gleichgewicht gehalten: Svenja Schanz bestimmt, wo es lang geht. Sie bewegt die Pedalen, begeistert das Publikum und überzeugt die Jury auch während der diesjährigen Einrad-Weltmeisterschaften im kanadischen Montréal. Sie ist Weltmeisterin in der Disziplin „Individual Freestyle“ in ihrer Altersklasse (21+).

Diese dreiminütige „Einzelkür“ überzeugte die Juroren in den Bereichen Präsentation/Show und Tricks. Die Musik – „Bom, Bom“ von Sam & the Womp – passte. Alles passte. Svenja hat sich die Kür zusammen mit ihrer Trainerin Hella Gandlau ausgedacht. Der Abstand zum Zweitplatzierten Japan ist nicht klar. Stattdessen steht Schanz am Ende des Tages für den VFL Grafenwald, Bottrop (NRW), und somit für Deutschland auf dem Siegertreppchen. Svenja Schanz: „Die Stimmung im Olympiapark war super. Ich habe während meines Auftritts schon gespürt, dass ich einen guten Lauf habe, aber dass ich Weltmeisterin werde…?“

Erster Titel mit 17 Jahren

Einerseits könnte man meinen, dass das für die 1,50 große Powerfrau mittlerweile fast schon Routine ist. Schließlich führt sie mit ihrem Titel eine Reihe von Erfolgen fort: Das erste Mal war sie mit 17 Jahren Weltmeisterin in Neuseeland (2009), das zweite Mal in Italien (2012). Doch von Routine oder gar Langeweile keine Spur: „Es kommen immer neue Tricks und die Konkurrenz ist groß. Ich werde immer wieder zu Höchstleistungen angespornt“, sagt sie.

Schließlich kommt so ein Titel nicht durch das Ausruhen auf vergangenen Mühen. Auch dieses Mal habe sie viel trainiert: vier Mal pro Woche zwei Stunden lang. Und das neben ihrer Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau in einem Gladbecker Frauen-Fitnessstudio. Auch hier zeigt Schanz vollen Einsatz, gibt Kurse, arbeitet auf der Trainingsfläche und im Service. Natürlich drückt sie auch die Schulbank und muss Prüfungen absolvieren. Und dann trainiert sie noch eine Einrad-Gruppe und leitet eine Schul-AG in ihrer Weltmeisterschaftsdisziplin.

Andererseits stand einen Tag vor ihrem Auftritt überhaupt nicht fest, ob sie starten kann. Schanz hatte sich beim Training vor Ort den Fuß verknackst und die Bänder überdehnt. „Ich hatte einen richtigen Klumpen am Fuß.“ Mit ihrem Kämpfergeist ist sie dann aber doch angetreten. Ihre Leidenschaft für diesen Sport spürt man, wenn sie von ihrer „Team-Familie“ spricht. Oder wenn sie erwähnt, dass sie schon mit vier Jahren auf dem Einrad gesessen hat und ihre Eltern sie zu allen erdenklichen Auftritten und Meisterschaften begleitet haben. Ihrem Verein, dem VfL Grafenwald, ist sie dabei immer treu geblieben.

Nächstes Jahr im Sommer wird sie ihre Ausbildung abschließen, will irgendwann Sport studieren – und 2016 bei der WM in Spanien? „Wieder Weltmeisterin werden.“

 
 

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