Berufsschüler erforschen das schwierige Online-Geschäft

Händler und Landwirte stellen den Umfrageergebnissen Erfahrungen aus der Praxis gegenüber, von links: Kathrin Gödecke-Neis, Johannes Miermann jun., Bodo Behrend, Hans Fockenberg und Stifter Dieter Grasedieck.. Fotos:Winfried Labus
Händler und Landwirte stellen den Umfrageergebnissen Erfahrungen aus der Praxis gegenüber, von links: Kathrin Gödecke-Neis, Johannes Miermann jun., Bodo Behrend, Hans Fockenberg und Stifter Dieter Grasedieck.. Fotos:Winfried Labus
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Schüler am Berufskolleg interviewen Käufer. Gut ein Drittel würde übers Internet auch Lebensmittel kaufen. Doch Händler und Landwirte zahlen oft noch drauf.

Bottrop..  Können Einzelhändler im Online-Handel zusätzliche Umsätze erzielen? Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe des Wirtschaftsgymnasiums am Bottroper Berufskolleg wollten das genauer wissen und fragten Kunden, ob sie Lebensmittel und Hygieneartikel im Internet bestellen und zu sich nach Hause bringen lassen würden. Das Fazit der Berufsschüler: Der Bedarf nach Online-Diensten sei groß genug. Einzelhändler sollten auf jeden Fall ausprobieren, ob sich dieser Service für sie lohnt.

Grasedieck-Stiftung hilft mit

In Supermärkten, auf dem Wochenmarkt und in Einkaufsstraßen hatten die Gymnasiasten im Februar die Kunden befragt - die meisten davon in Kirchhellen. Etwas mehr als ein Drittel der Kunden erklärte, dass Onlinehandel für sie interessant sei. Nicht ganz 140 Käufer befragten die Schüler. „Eine Trendaussage kann man da treffen“, sagte Dieter Grasedieck. Die Stiftung des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten und Berufsschullehrers unterstützte die Markumfeldanalyse der Gymnasiasten. Die Präsentation ihrer Ergebnisse stieß auch bei einigen Kirchhellener Lebensmittelhändlern auf Interesse.

So fanden die Berufsschüler heraus, dass die meisten Kunden bereit seien, die vier Euro Liefergebühren zu bezahlen. „Das belegt die Bereitschaft zum Online-Einkauf“, sagt Johannes Miermann junior, der gemeinsam mit anderen Landwirten den Online-Bauernmarkt „Green Farmer“ betreibt. Kostendeckend seien solche Liefergebühren allerdings nicht. Bei den Green Farmern etwa liegt die Standardliefergebühr bei 4,90 Euro. Ab 75 Euro Warenwert liefern die Landwirte kostenlos. „Das ist subventioniert“, sagt Miermann. Dies sieht auch Kathrin Gödecke-Neis so. „Die Kosten entstehen ja nicht nur durch das Fahren, sondern auch durch die Konfektionierung der Ware“, erklärt sie. Der Supermarkt müsse ja auch das Personal bezahlen, das die Pakete und Tüten für die Kunden zusammenstellt. „Für uns ist das eine Investition in die Zukunft. Die Bevölkerung wird ja älter und die Nachfrage nach Bringdiensten wird deshalb steigen“, sagt die stellvertretende Leiterin des Kirchhellener Rewe-Marktes.

Auf den ersten Blick ein Widerspruch

Ihre Prognose steht auf dem ersten Blick in einem Widerspruch zu den Ergebnissen der Berufsschüler. Denn in deren Umfrage gaben zwei Altersgruppen an, dass sie kein Interesse am Online-Einkaufen haben: Käufer unter dreißig Jahren und Kunden über 70 Jahren. Für die jüngeren Leute kaufen noch ihre Eltern ein, erklären die Schüler dieses Phänomen. Die älteren Kunden wiederum nutzten das Internet kaum. Das wird bestimmt so sein. Die Schlussfolgerung der Gymnasiasten sagt in der Praxis allerdings wenig darüber aus, wie Senioren tatsächlich einkaufen. So machte Kathrin Gödecke-Neis klar: „Unsere Erfahrung ist, dass gerade ältere Kunden ein Interesse daran haben, sich die Waren bringen zu lassen“. Anstatt über das Internet geben die Senioren ihre Bestellungen einfach per Fax oder Telefon auf. Drei Euro pro Lieferung und 1,50 Euro pro Bestellung fallen dafür an zusätzlichen Kosten für die Kunden an.

Dass der Online-Handel mit Lebensmitteln aber noch kaum gewinnversprechend ist, das machte Landwirt Johannes Miermann am Beispiel der Hello Fresh AG klar. Der in Deutschland größte Lieferdienst von Lebensmitteln nach Rezept machte im vorigen Jahr 300 Millionen Euro Umsatz - und dabei zig Millionen Euro Verluste.

 
 

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