Kinder verzaubern eine triste Terrasse

Melina, Jana, Maximilian, Sena und Efe (v.li.) bestaunen mit Lesepatin Christa Keuth die Pflanzen im Garten der Sinne.
Melina, Jana, Maximilian, Sena und Efe (v.li.) bestaunen mit Lesepatin Christa Keuth die Pflanzen im Garten der Sinne.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Die neuen „Bottroper Lesepaten“ legen mit Vorschulkindern einen Garten der Sinne an. Nach den Sommerferien starten sie mit ihrem regulären Angebot für alle Kinder und für Kinder, die spezieller betreut werden sollen. Sie kommen auch in Schulen und Kitas.

Aber ja, Maximilian lacht, na klar weiß er, dass „wir“ Weltmeister sind. Klasse. Er durfte ausnahmsweise aufbleiben und das Spiel sehen, verrät er. Aber an diesem Morgen gibt es tatsächlich etwas, das ihn noch mehr interessiert, als das Weltmeistersein: Die Pflanzen, die er für den „Garten der Sinne“ in die Erde gesetzt hat. „Ich hab zwei Tomaten gepflanzt“, sagt er unüberhörbar stolz. „Die da hinten.“ Er zeigt auf einen Topf in der Ecke. „Ich hab sie in die Ecke gestellt, damit der Sturm sie nicht umwirft.“ Liebevoll besorgt geht er hin und schaut vorsichtshalber noch mal nach.

Maximilian nimmt an dem Ferienprojekt Garten der Sinne teil, das die Lesepaten für Vorschulkinder anbieten. Noch bis zum Donnerstag verschönern sie die bisher trist aussehende Terrasse des Hauses des Paritätischen. Dort hat die Ehrenamtagentur ihren Sitz, die die ehrenamtlichen Lesepaten für das Vorhaben begeistert hat.

Eine Puppe für den Blumenkorb

„Wir bemalen Körbchen für die Pflanzen und wir lesen mit den Kindern meist am Ende des Vormittags altersgemäße Geschichten“, erklärt Michaela Skrzipale, Heilpraktikerin für Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpunkt Lernstörungen, die das neue Projekt Lesepaten in Bottrop organisiert. Es startet – abgesehen von der Ferienaktion Garten der Sinne – nach den Sommerferien. Es gehört zum Bottroper Netzwerk, das sich an Kinder psychisch kranker und suchtgefährdeter Kinder richtet. „Wir machen aber ein Angebot für alle Kinder“, erläutert Michaele Skrzipale. Mit den Kindern würden dann altersgerechte Geschichten gelesen. „Es werden aber auch Texte sein, in denen es darum geht, sich besser kennenzulernen, Gemütszustände kennen zu lernen. Kinder sollen lernen, Angst zu unterscheiden, Mut zu unterscheiden.“ Sollten Kinder wegen einer belastenden Familiensituation einen besonderen Betreuungsbedarf haben, würden sie entsprechend gefördert. Die Lesepaten kommen auf Wunsch aber auch in Grundschulen oder Kitas.

Die kommen aber auch in den Garten der Sinne, wie Birgit Grund, Leiterin der Awo-Kitas Bunte Welt und Kleine Welt. „Ich hab davon gelesen und dachte: Das ist eine sinnvolle Sache für die Kinder.“ Von dem, was sie da sieht, ist sie auf Anhieb angetan. „Ein tolles Angebot.“ Die fünfjährige Jana ist ebenfalls hingerissen von dem Erlebnis. Sie hat Tomaten gepflanzt und ein Körbchen angemalt, das sie mit gelben und orangefarbenen Tagetes bepflanzt hat. „Ich hab eine Puppe und einen Dinosaurier dazu gelegt“, sagt sie überaus besorgt um ihre Blumen. Lesepatin Christa Keuth kann das Glück, das sie mit den Kindern erlebt, kaum fassen. Sie hat vor einigen Monaten ihren Mann verloren und schlief seither nur schlecht. „Aber seit ich hier mitmache, habe ich schon drei Nächte hintereinander durchgeschlafen“, sagt sie überglücklich. „Ich gebe den Kindern viel, aber ich bekomme so viel zurück.“ Bei den Lesepaten werde sie „100-prozentig“ weitermachen.

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