Isolde und Frieda – allein bei Kaufstadt

Am Internationalen Frauentag lädt die Gleichstellungsstelle Bottrop zum Kabarett in die Aula des JAG ein am Sonntag, 8. März 2015. Foto: Katharina Paris
Am Internationalen Frauentag lädt die Gleichstellungsstelle Bottrop zum Kabarett in die Aula des JAG ein am Sonntag, 8. März 2015. Foto: Katharina Paris
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Den Geschäftsschluss verpasst, die Handys ohne Netz – zwei Frauen verbringen die Nachtin einem Kaufhaus. Gleichstellungsstelle lud zum Kabarett.

Bottrop..  Zumindest der Ausklang des Weltfrauentages war für viele Bottroperinnen am Sonntag überaus vergnüglich. Die Gleichstellungsstelle hatte in Kooperation mit dem Frauen-Forum Bottrop traditionell zum Frauenkabarett geladen. „. . . denn der Kunde ist Königin“ hieß das Stück, bei dem Mechtild Ludwig und Sabine Henke als Isolde Schabratzki und Frieda Finkeldei erstmals gemeinsam auf der Bühne standen.

Die Bühne, das war der Platz vor der Umkleidekabine in der Damenoberbekleidung von Kaufstadt. Hier treffen mit Isolde und Frieda zwei Frauen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Frieda, gebildet, Businessdress in dezenten Farben, ist Richterin am Landgericht, Isolde, eher schlicht, liebt schrille Farben und ist Putzfrau – sogar bei Frieda, doch davon später mehr.

„Ladies Night“ endet vor verschlossenen Türen

Die „Ladies Night“ bei Kaufstadt endet für beide, Tüten bepackt, an den verschlossenen Kaufhaustüren. Dummerweise haben sie das Ende der Frauen-Einkaufsnacht überhört, die eine auf der Toilette, die andere, „schwummerig“ vom vielen „Prozekko“, in der Umkleide. Rettung via Handy? Funktioniert nicht – kein Netz.

Was also tun, wenn die eine nicht zum Vortrag zu ihren Lions-Damen kann und die andere nicht heim zu ihrem Günter, der aber sowieso bloß den ganzen Tag vor dem Fernseher auf dem Sofa hockt? Sie machen das Beste draus, bekämpfen Langeweile und Angst, machen sich Mut mit einem Liedchen – „. . . denn immer, immer wieder geht die Sonne auf . . .“, schmettern einen Kanon – und philosophieren über das Leben im allgemeinen und über die Männer im besonderen.

Was macht einen Mann attraktiv? Der Intellekt. Oder doch, dass er zuhört und interessiert ist? Frieda und Isolde kommen zu den gleichen Schlüssen, auch wenn die eine ihr Wissen von Wikipedia bezieht und die andere aus der „Gala“.

Die Putzfrau weiß mehr als frau glaubt

Und so verschwimmen die Unterschiede zwischen den Frauen, und Frieda lauscht schließlich begierig, was Isolde zu erzählen hat von den fremden Menschen, deren Häuser sie putzt und pflegt. „Ich weiß oft mehr als die Leute glauben“, sagt die Putzfrau und erzählt von dem älteren Herrn, den sie ganz offensichtlich beim Fremdgehen mit „so einem ganz jungen Ding“ ertappt hat. Köstlich das Mienenspiel in Friedas Gesicht, als sie erkennt, dass die fremde Putzfrau ihre eigene ist und der olle Fremdgänger Arnold, ihr eigener Mann.

Und wenn ihr Leben aus den Fugen gerät, können auch Frauen mal ganz anders als angepasst und rechtschaffen. Sie streifen durch Kaufstadt und hinterlassen eine „Schneise der Verwüstung“ als sie sich von allerlei Ballast befreien. Sie machen sich zu Königinnen ihres Lebens und sagen am Ende „Du“.

Der jubelnde Beifall der (fast nur) Frauen in der ausverkauften JAG-Aula zeigt, er hat Spaß gemacht, der Abend mit Frieda und Isolde.

 

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