Innovation City legt die Basis für Bottrop 2030+

Norbert Jäneckeund Matthias Düngelhoff
Wirtschaftsförderin Sabine Wissmann hört Anwohner Klaus Meyer zu. Auch Klaus Müller (rechts), Leiter des Innovation City-Projektbüros, gibt Auskunft.
Wirtschaftsförderin Sabine Wissmann hört Anwohner Klaus Meyer zu. Auch Klaus Müller (rechts), Leiter des Innovation City-Projektbüros, gibt Auskunft.
Foto: FUNKE FotoServices
Wie soll die Stadt Bottrop in 15, in 25 Jahren aussehen? Am WAZ-Mobil bringen sich Bürger mit Ideen und Gedanken zum Projekt Bottrop 2030+ ein.

Bottrop. Eine Vision von Bottrop 2030+ entwirft die Stadt zurzeit. Denn Bottrop will zu jenen Zukunftsstädten gehören, die das Bundesforschungsministerium in einem mehrjährigen Wettbewerb sucht. Bottrop 2030+ soll deshalb zur Innovation City der Zukunft werden. Das Klimaschutz-Projekt des Initiativkreises Ruhr, für das Bottrop als Modellstadt steht, endet ja 2020. „Mit Bottrop 2030+ wollen wir an Innovation City anknüpfen und sie auch in mehr Stadtteile bringen als bisher“, erklärt Klaus Müller, Leiter des Innovation City-Projektbüros. Bisher sei das Innovation City-Projektgebiet ja auf den Bottrop Süden begrenzt.

Wie also wollen die Bürger in 15 und mehr Jahren in ihrer Stadt leben? Was ist ihnen wichtig? Wie soll das Bottrop von morgen aussehen? Das fragen wir sie am besten selbst, sagte sich ein Team aus Mitarbeitern der Stadt und sammelt nun auf den Wochenmärkten und bei Festen Ideen der Bürger für ihre Stadt der Zukunft ein. Die WAZ-Redaktion begleitet die Aktion mit dem WAZ-Mobil.

Nach dem Auftakt in Kirchhellen suchte das Bottrop 2030-Team nun mitten in der City das Gespräch mit Anwohnern und Käufern. Einen symbolhaltigeren Treffpunkt als vor dem Innovation-City-Zukunftshaus in der Fußgängerzone hätten die Interviewer kaum wählen können. „Die Innenstadt ist Ankerpunkt für das Geschehen in der ganzen Stadt“, sagt Klaus Müller. „Bottrop ist geprägt vom Bergbau“, erklärt er, doch 2018 ende diese Ära. „Dann wird es hier einen Kulturwechsel geben“, ist Müller überzeugt. Ein wichtiges Signal für diesen Aufbruch sei zum Beispiel auch gewesen, die Hochschule Ruhr West in die Mitte der Stadt zu holen.

Zwischenfazit der Stadt fällt positiv aus

Das Zwischenfazit der Vertreter der Stadt fällt nach den ersten beiden Bürgeraktionen ausgesprochen positiv aus. „Wir haben eine Menge an Ideen und Anregungen mit einer großen Bandbreite gesammelt“, fasst Sabine Wissmann, die Leiterin des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung, zufrieden zusammen. Ad hoc hätten zwar nur wenige Passanten ihre Vorstellungen von der Zukunft der Stadt vorgetragen, doch: „In Gesprächen ließen sich die Leute doch Ideen entlocken“, stellt Sabine Wissmann fest.

Neben der Mobilität habe auch die alternde Gesellschaft eine große Rolle in den Gesprächen mit den Bürgern gespielt. Mehrfach sei die Forderung nach bezahlbaren altersgerechten Wohnungen gekommen. Es fehlten Angebote im mittleren Preissegment. Es gebe vielfach sehr teure Angebote oder Eigentumswohnungen und auf der anderen Seite der Skala solche Wohnungen, für die ein Wohnberechtigungsschein nötig sei.

Die Förderung des Radverkehrs ist vielen Besuchern am WAZ-Mobil ebenfalls ein Anliegen, aber eben nicht zu Lasten des Autoverkehrs. „Niemand will dabei Radfahrer und Autofahrer gegeneinander ausspielen“, sagt die Leiterin der Wirtschaftsförderung. Kritisiert wird auch das Kirchtumdenken beim Bus- und Bahnverkehr.

Bürger geben Anregungen mit großer Bandbreite

„Eine lebenswerte Stadt kann nicht nur mit Autos funktionieren“, betont zum Beispiel Kurt Mehring. wichtig für ihn: Zur Infrastruktur gehören auch die nötigen Stellplätze. Er verweist auf Untersuchungen, nach der Radfahrer mehr Kaufkraft in eine Stadt brächten, als Autofahrer. Außerdem: Wer Rad fährt, der fahre zum Einkaufen nach Bottrop, nicht nach Essen oder Oberhausen.

Einen Ersatz für den Saalbau wünscht sich Kurt Meyer. „Warum baut die Stadt nicht eine Mehrzweckhalle auf dem Zirkusplatz an der Bogenstraße?“, fragt er. „Der Saalbau wird ja irgendwann abgerissen“, stellt er fest, und dann? Bottrop brauche eine neue Veranstaltungshalle, die groß genug sei für Publikumsmagneten ob nun aus dem Show-Buisness oder im Sport.

Bauen auf der grünen Wiese wiederum missfällt Dieter Hasselbrink. Das sieht er für Wohnsiedlungen wie für Firmenansiedlungen so. „Man sollte immer erst die alten Brachgelände bebauen, bevor man auf Grünflächen geht“, sagt er. Daher übt er Kritik am Wohnbauprojekt der Stadt in der Beckheide und fordert: „Auch die Bergbauflächen werden ja frei“. Da gehörten neue Firmen hin. Das aber beherzigt die Stadt ja ohnehin, etwa auf dem Prosper 3-Gebiet mitten in der Stadt oder auf dem Hüls-Gelände am Stadtrand.

Schulklassen diskutieren über Stadt von morgen

Die Bürgerbefragung stößt auch im Stadtrat auf großes Interesse. So besuchte Bürgermeister Klaus Strehl nach dem Auftakt in Kirchhellen gemeinsam mit dem Bezirksbürgermeister, Klaus Kalthoff, auch das WAZ-Mobil in der Innenstadt wieder und lotste den einen oder anderen Passanten zum Bottrop 2030-Team. Prompt mussten beide einem jungen Team der Kulturwerkstatt ein Kurzinterview geben. „Wir drehen einen Dokumentarfilm zu Bottrop 2030+“, sagt Teamleiter Manuel Brenda. „Dieser wird dann auch offiziell gezeigt“, ergänzt Luba Gerliz. Nicht nur die älteren Bottroper wollen die Filmer befragen, sondern gerade auch die jüngeren nach ihren Zukunftsvorstellungen befragen. Schließlich gehören dem Filmteam um Luke Gehring, Paulo Hommel und Neue Machnik allesamt Teenager an.

Auch Stadtkämmerer Willi Loeven erkundigt sich am WAZ Mobil nach den Ideen der Bürger und Franz Ochmann, SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung Süd, sowie Wolfgang Altmeyer, SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung Stadtmitte, sind ebenso interessiert daran.

Kreise zieht die Bürgeraktion womöglich auch in den Schulen. Im Gespräch mit Dorothee Lauter, der stellvertretenden Leiterin des Innovation City-Projektbüros, versicherte eine Erdkundelehrerin des Josef-Albers-Gymnasiums, dass sie mit ihren Klassen und dem Leistungskurs überlegen wolle, wie Bottrop in 15 Jahren aussehen sollte. Schließlich gehe es doch genau darum, dass die Stadt 2030 und danach attraktiv für diejenigen ist, die heute vielleicht noch zur Schule gehen.