In Welheim regiert eine Kaiserin

Als Königin Christel IV. legte Christel Otte auf den Vogel an, am Ende wurde sie durch ihren letzten Schuss zu Kaiserin Christel I.
Als Königin Christel IV. legte Christel Otte auf den Vogel an, am Ende wurde sie durch ihren letzten Schuss zu Kaiserin Christel I.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Beim BSV Welheim dürfen auch die Frauen auf den Vogel anlegen. Christel Otte schoss die Trophäe zum zweiten Mal in Folge von der Stange. Als amtierende Königin Christel VI. trat sie zum Vogelschießen an, mit ihrem Erfolg wurde sie zu Kaiserin Christel I..

Bottrop..  Wenn die Marschkapelle ertönt und die Farbe Grün in Welheim für drei Tage regiert, dann ist wieder Schützenfest. Der Bürgerschützenverein (BSV) Welheim hatte sich zum 33. Mal auf dem Wilhelm-Tenhagen-Platz zusammengefunden, um das neue Königspaar zu bestimmen. Bei wechselhaftem Wetter bemühten sich die rund 55 Mitglieder des Schützenvereines um ein tolles Fest mit buntem Programm und der obligatorischen Erbsensuppe in der Feuerpause.

Am Ende ging es um die Ehre der Krone. Königin Christel IV. (Otte) trat an, um sich zum zweiten Mal in Folge die Herrschaft zu sichern, was sie durch ihren erneuten Sieg automatisch von der Königin zur Kaiserin beförderte. Ihr Konkurrent Gerd Spitzer und sie machten es außerordentlich spannend. „Meine Hände zittern so!“, rief die Königin nach jedem Schuss. Mit der 31. Königspatrone schaffte sie es schlussendlich, die – mittlerweile recht mitgenommen aussehenden – Reste des Vogels mit dem Gewehr herunterzuschießen.

Tränen bei der Kaiserin

Eine kleine Überraschung folgte auf dem Fuß. „Es ist hier gang und gäbe, dass die Siegerin sich einen Mit-Herrscher auswählen darf, meistens nimmt man dann den Ehepartner“, sagte der ehemalige Vorsitzende Erich Dziuron.

Jetzt-Kaiserin Christel I. suchte sich allerdings ihren Rivalen aus und erklärte ihn unter Freudentränen zu ihrem Kaiser Gerd I. „Ich bin so erleichtert“, gab sie nach ihrem Sieg zu. „Ich freue mich auf die nächsten drei Jahre Regentschaft, vor allem mit so einem tollen Kaiser an meiner Seite.“

Doch nicht nur die neuen Herrscher standen bei dem Fest im Fokus, sondern auch die Frage, wer sich die Trophäen des begehrten Vogels sichert. Zuvor hatte sich nämlich Jürgen Schacht mit dem 28. Schuss die Krone gesichert, dicht gefolgt von Brigitte Hülsen, die das Zepter mit dem 88. Schuss herunterholte. Ihr Bruder Karl-Heinz ergatterte den Reichsapfel mit dem 118. Schuss, der linke Flügel verließ den Vogel beim 152. Schuss und ging an Ingrid Fedjas. Da der Rumpf dabei schon so durchlöchert wurde, blieb der rechte Flügel dran. Er musste noch zusätzlich von den beiden Thronanwärtern heruntergeholt werden.

Mit zum dreitägigen Programm der Schützen gehörten neben einer Parade, bei der sich alle Schützenvereine und Königspaare der Stadt die Ehre gaben, ein Gottesdienst, viel Musik und natürlich der Krönungsball am Montagabend.

„Wir setzen hier sehr auf Tradition“, so Dziuron. „Dennoch wollen wir uns dem Neuen nicht verschließen und haben deshalb eingeführt, dass bei uns auch Frauen schießen dürfen. Damit sind wir in Bottrop der einzige Verein.“

Dennoch leiden die Schützen unter Nachwuchsmangel. „Wir haben viele ältere Mitglieder, die nach und nach sterben oder austreten. Aber keinen, der nachkommt – aufgrund von falschen Klischees und weil die Interessen anders liegen. Wir können nur wünschen. dass sich das bald ändert.“

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