In drei Monaten zum Droschkenfahrer mit Lizenz

Der Droschkensport bietet „elegante Dressur und derbe Abenteuer“ – hier ein Wagen in vollem Tempo beim Fahrertag im Juli.Foto:Heinrich Jung
Der Droschkensport bietet „elegante Dressur und derbe Abenteuer“ – hier ein Wagen in vollem Tempo beim Fahrertag im Juli.Foto:Heinrich Jung
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Kutschenfahrfreunde bieten Lehrgang für den Kutschenführerschein an. Der Kurs ist für Teilnehmer auch eine seltene Gelegenheit, selbst mal auf dem Bock zu sitzen und ein Gespann zu fahren.

Kirchhellen.  Kutsche Fahren darf (eigentlich) jeder. Alles gut, so lange kein Unfall passiert. Wenn doch, dann sollten Wagenlenker Sachkunde nachweisen können. Am besten durch einen Führerschein. Die Kutschenfahrfreunde bieten dafür nun einen Lehrgang an. Einen Infoabend dazu gibt’s am Mittwoch (20. November).

Kutsche fahren ist ein seltener Sport. Meist führen die Droschken-Freunde eine bescheidene Randexistenz in Reitvereinen. Nicht so in Kirchhellen: Hier gibt es seit 1991 einen Verein, der mit rund 80 Mitgliedern zu den stärksten überhaupt zählt. Kein Wunder: „In Kirchhellen stehen 3- bis 4000 Pferde und wir haben viel Platz. Ich kann in jede Richtung fahren und bin sofort im Grünen“, lacht Vorstandsmitglied Ewald Steinmann.

In acht Fahrschulen seit 1992 hat der Verein schon 120 Pferdefreunde zur Droschkenlizenz gepaukt. Teilnehmer waren dabei aus sämtlichen Nachbargemeinden. Längst nicht alle waren überhaupt Besitzer eines Gespanns. „Ich hab’ auch einen Flugschein gemacht und besitze kein Flugzeug“, begründete einer seine Teilnahme.

Für viele Fahrschüler ist der Kurs mit hohem Praxis-Anteil auch Gelegenheit, selbst mal auf dem Bock zu sitzen. Wer selbst keine Kutsche hat, für den ist die Möglichkeit dazu sehr begrenzt.

Mit dem Planwagen nach Berlin

Wer aber die Möglichkeit habe, dieses Hobby zu pflegen, der erlebe „elegante Dressur und derbe Abenteuer“, so Ewald Steinmann. Mit seiner Familie ist er mal nach Berlin gekutscht. Drei Wochen Fahrt, Abenteuer pur mit Planwagen und Zelt, Höhepunkt die Fahrt durchs Brandenburger Tor. Die längst erwachsenen Kinder schwärmen heute noch davon. Vereinssprecher Jürgen Fahle ergänzt: „Bei einer Kutschfahrt sieht man die Welt ganz anders. Das hat auch mit Entschleunigung zu tun.“

Entschleunigung und Sport pflegen die Mitglieder bei vielen gemeinsamen Aktivitäten: Frühjahrsfahrt, Kutschenwallfahrt zum Halterner Annaberg im Mai, Korso durchs Dorf und Wettbewerbe stehen im Kalender.

Und nun also wieder ein Führerscheinkurs, gehalten von Fahrlehrer Frank Soppe aus Heiden. „Wenn auch das Fahren mit Pferd und Wagen noch nicht umfassend per Gesetz geregelt ist, sollte sich jeder Fahrer seiner Verantwortung bewusst sein, und sich Grundkenntnisse vermitteln lassen“, sagt Jürgen Fahle.

Der Lehrgang startet im nächsten Jahr, bereitet auf verschiedene Prüfungen vor (Basispass Pferdekunde und verschiedene Fahrabzeichen). Drei Monate lang gibt’s jeweils freitags Theorie und sonntags Praxis auf dem Kutschbock. Damit die Kirchhellener Kutschen-Tradition mit neuen Piloten noch ein paar Jahre weiter geschrieben wird . . .

 
 

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