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In Bottrop-Boy versteht die Stadt nur Bahnhof

06.06.2012 | 18:36 Uhr
In Bottrop-Boy versteht die Stadt nur Bahnhof
Am Bahnhof Boy gehts nur schwerlich zu den Gleisen. Foto: Birgit Schweizer

Bottrop.   Die schier unendliche Geschichte um den Bahnhof Boy nimmt Züge einer Posse an. Schlechte Karten im Trauerspiel um den barrierefreien Ausbau des Boyer Haltepunktes haben Mütter mit Kindern in Kinderwagen, Radfahrer und behinderte Menschen, weil sie die Züge über steile Treppen schwerlich erreichen. Auf ihre Kosten verschanzen sich Bürokraten hinter vermeintlichen Vorschriften.

An den Pranger gestellt sieht sich das Eisenbahnbundesamt in Bonn. Doch da gehört die Aufsichtsbehörde der Bahn nicht hin.

Es liegt kein Antrag dafür vor

Die Bahn würde einen Aufzug zu den Zügen ja bauen, sagen sie hier, doch jenes Bundesamt rücke das Geld dafür nicht heraus . Das Amt weiß aber offiziell nichts davon. „Uns liegt kein Antrag dazu vor“, sagte Sprecherin Heike Schmidt der WAZ. Stimmt!

Warum auch sollte die Deutsche Bahn Station & Service AG einen Antrag stellen, der ohnehin abgelehnt würde? „Wir kennen die negative Haltung des Eisenbahnbundesamtes ja“, erklärte Norbert Höving, der Technische Beigeordnete der Stadt. Schließlich habe die Bonner Behörde in einem fast gleichen Fall den Bauantrag für Aufzüge am Bahnhof Marl-Mitte mit derselben Begründung abgelehnt, die nun auch in Bottrop herangezogen werden dürfte: Voraussetzung für einen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs seien mindestens 1000 Fahrgäste. So viele gibt es in Boy aber nicht. „Wir haben uns mit der DB Station & Service daher verständigt, keinen Bauantrag zu stellen. Wir wollen stattdessen alle an einen Tisch holen, um die Sache zu klären“, sagte der Beigeordnete.

Dafür gibt es keine Bedingungen

Das wäre aber überhaupt nicht nötig. Denn Höving hat offensichtlich nur eine böse Ahnung. Die angeblich zu geringen Fahrgastzahlen jedenfalls wären gar kein Hindernis für den Aufzugbau. So teilt die Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes der WAZ mit: „Selbstverständlich kann die Bahn als Betreiberin eines bestehenden Bahnhofs dessen nachträglichen barrierefreien Ausbau in Angriff nehmen. Dafür gibt es keine Bedingungen – wie etwa eine Mindestanzahl von Fahrgästen.“ Marl-Mitte sei nicht maßgebend für Bottrop-Boy. „Die Anträge werden für jedes Vorhaben separat geprüft“, erklärte sie.

Die Bahn kann das aus Eigenmitteln finanzieren

Auf dem Geld sitzt das Eisenbahnbundesamt, wie von der FDP unterstellt, schon gar nicht. So teilt Heike Schmidt mit: „Grundsätzlich kann die Bahn die Nachrüstung der Verkehrsstation in Bottrop-Boy mit Eigenmitteln finanzieren. Eine behördliche Genehmigung braucht sie dafür nicht.“ Zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden gebe es zudem ja Finanzhilfen des Bundes.

Die Bahn müsse sich allerdings vorab an das Eisenbahnbundesamt wenden, um etwa zu klären, ob ihr Bauvorhaben technisch machbar sei und den Sicherheitsstandards entspreche.

Norbert Jänecke

Kommentare
10.06.2012
01:05
In Bottrop-Boy versteht die Stadt nur Bahnhof
von Westwind | #5

@harry621
Was nützt Behinderten oder Personen, die einen Rollator, Kinder- oder Einkaufswagen mitführen eine Fahrtreppe oder ein Aufzug, wenn diese...
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2012-06-06 18:36
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