Im Labor entsteht die Chemotherapie

Fotografiert durch die Glastür arbeitet Katrin Wyzgoll im Reinraum. Das Medikament stellt sie unter der Lüftung her, die Kleidung schützt sie.
Fotografiert durch die Glastür arbeitet Katrin Wyzgoll im Reinraum. Das Medikament stellt sie unter der Lüftung her, die Kleidung schützt sie.
Foto: WAZ FotoPool
In einem Reinraum stellt Apotheker Peter Stadtmann Medikamente für Krebspatienten her. Nur wenige Apotheken in Deutschland sind dafür ausgestattet.

Bottrop.  Gut, streng genommen öffnet die WAZ heute nur die Tür zum Vorraum unseres eigentlichen Raumes. Denn den darf nur betreten, wer Haube, Kittel und Mundschutz anzieht und sich ordentlich desinfiziert. Die Rede ist vom Reinraum, eine Art kleinem Labor in der Alten Apotheke. In diesen Raum dürfen keine Keime gelangen. Hier werden Krebsmedikamente, sogenannte Zytostatika für die Chemotherapie hergestellt. Apotheker Peter Stadtmann und seine Mitarbeiterin Katrin Wyzgoll müssen jedes Mal durch die Personalschleuse, bevor sie diesen besonderen Arbeitsplatz erreichen. Das heißt, sie öffnen zunächst die eine Tür, ziehen sich dann um und öffnen die Tür zum Reinraum.

Arbeiten unter der Lüftung

Ein solcher Raum in einer öffentlichen Apotheke, das sei durchaus etwas besonderes, sagt Stadtmann. „Es gibt in Deutschland etwa 23 000 Apotheken und rund 200 öffentliche Apotheken haben einen Reinraum.“ Eingequetscht in eine Ecke in der ersten Etage des historischen Gebäudes liegt der Raum. Stadtmann hat ihn eingerichtet nach seiner Ausbildung zum Fachapotheker für Onkologie. Das besondere an den Medikamenten: Sie werden auf den Milliliter genau auf den Patienten abgestimmt. Aus der Größe und dem Gewicht des Patienten wird die Körperoberfläche errechnet, die hat dann Einfluss auf die Wirkstoffmenge. Die Pharmaindustrie liefert lediglich die Wirkstoffe, die Herstellung der Medikamente übernehmen dann Katrin Wyzgoll und Peter Stadtmann in der Apotheke. „Wir verarbeiten etwa 50 Wirkstoffe“, erklärt Stadtmann.

Unter der Lüftung im Reinraum hantieren die Mitarbeiter mit den Stoffen. Gesunde Menschen sollten sie nicht einatmen oder mit ihnen in Berührung kommen, Auch dafür die Schutzkleidung, die an OP-Kleidung erinnert. Hunderte Packungen mit Kochsalzlösung lagert Stadtmann in der Apotheke. Sie oder eine Glucoselösung dienen als Trägerlösung für die Wirkstoffe. In einer Spritze zieht Katrin Wyzgoll die verschriebene Menge des Wirkstoffs auf, injiziert ihn dann in die Trägerlösung. Die Patienten erhalten das Medikament später als Infusion, also „am Tropf“. „Einige Mittel sind nur wenige Stunden haltbar, sagt Stadtmann. Per Kurier geht die Lieferung sofort raus in die Praxis oder ins Krankenhaus. Von Bottrop aus beliefert die Apotheke Praxen und Krankenhäuser im Ruhrgebiet, sogar bis Düsseldorf und an den Niederrhein reicht das Einzugsgebiet. „Zum Teil werden die Medikamente morgens bestellt und am selben Tag müssen sie hergestellt und ausgeliefert werden“, so Stadtmann.

Diese individuelle Herstellung für jeden Patienten birgt auch einen gewissen Druck. „Ich habe da schon ziemlichen Respekt. Das ist man auch dem Patienten schuldig“, sagt Stadtmann. Schließlich könnten Fehler bei der Dosierung fatale Folgen haben. Deshalb gilt auch das Vieraugenprinzip. Der Apotheker erhält vom Arzt alle Angaben, um auch die Menge des Wirkstoffs nachvollziehen zu können. Kommt ihm etwas komisch vor, muss er Rücksprache halten. Umgekehrt gilt diese Kontrollfunktion auch.

 
 

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