Hochbunker in Bottrop beherbergt heute Hobbymusiker

Der Bunker am Eigenmarkt in Bottrop.
Der Bunker am Eigenmarkt in Bottrop.
Dort, wo sich im Zweiten Weltkrieg Menschen vor Bomben schützten, proben heute Hobbymusiker. Zu Besuch im Hochbunker am Eigenmarkt in Bottrop.

Bottrop.. Wenn die Sirene schrillen würde, dann würden selbst die Drummer am Schlagzeug aufschrecken. Im Hochbunker am Eigenmarkt in Bottrop proben rund 30 Bands. Das Gebäude überragt den Markt, mit etwa 25 Metern. Eine Plakatinstallation hübscht die Fassade auf, von innen ist fast alles wie zur Bauzeit: Etwa im Jahr 1942 wurde es errichtet, um die Zivilbevölkerung vor den Luftangriffen der Alliierten zu schützen. Die zwei Meter dicke Außenwand schirmte etwa 500 Menschen ab.

Anfangs waren es Minuten oder Stunden – gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Menschen teilweise tagelang im Bunker geblieben. „Man hat die Erschütterungen draußen gehört, wusste aber nicht was getroffen war“, sagt Christa Müthing. Seit 1998 ist sie für die Vermietung der Bunkerräume, unter anderem in Bottrop, verantwortlich. Sie führt ein „strenges Regiment“ – anders wäre ein sicherer Betrieb der alten Bausubstanz nicht möglich. Die Bands müssen Mietverträge unterzeichnen, einzelne Musiker brauchen Nutzerausweise.

Taschenlampe ist im Bunker Pflicht

Wenn das Licht ausgeht, leuchtet nur die phosphoreszierende Farbe an der Wand. Wenige türkisschimmernde Streifen weisen den Weg zur Tür und zum Lichtschalter. In den Proberäumen ist eine Taschenlampe Pflicht. Die Proberäume sind unterschiedlich wie die Musikrichtungen. Von Rock und Punk, bis zur Oldieband oder den Karnevalsmusikern. 80 Prozent sind reine Hobbymusiker. Hier können sie ungestört Musik machen. „Wir sind nach wie vor ein Schutzraum“, sagt Müthing. „Aber die Richtung der Bedrohung hat sich geändert.“

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