Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

Der Bottroper Netzwerk will Kinder psychisch kranker Eltern stärken, will sie bei der Hand nehmen.
Der Bottroper Netzwerk will Kinder psychisch kranker Eltern stärken, will sie bei der Hand nehmen.
Foto: imago
Wenn Mutter oder Vater psychisch krank sind, leiden häufig auch die Kleinen. Das Bottroper Netzwerk will sie mit vielen Angeboten stärken und fördern. „Sie brauchen Unterstützung“, sagt Michaela Skrzipale, zuständig für die Organisation des Netzwerks.

Wenn Eltern psychisch krank sind oder wenn sie abhängig sind von Suchtmitteln wie Alkohol, dann müssen ihre Kinder meist schon in jungen Jahren mit schweren Problemen zurecht kommen. Nicht immer gelingt das, nur zu oft nehmen sie selbst Schaden auf ihrem Weg zum erwachsen werden. Ihr Risiko, selbst psychisch zu erkranken, ist viel höher als das von Kindern, die unbeschwert aufwachsen können. Das Bottroper Netzwerk will diesen Kindern und Jugendlichen helfen. „Sie brauchen Unterstützung“, erklärt Michaela Skrzipale, die jetzt im Ehrenamt die Gesamtorganisation dafür übernommen hat.

Denn diese Kinder müssten mit vielen Schwierigkeiten klarkommen. Verlässlichkeit beispielsweise erführen sie nur selten über einen längeren Zeitraum hinweg. Ein Vater, der trinke, könne bei zwei Schnäpsen lustig sein, bei mehreren ganz plötzlich gefährlich. „Die Eltern sind nicht konstant“, weiß die Heilpraktikerin für Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit Schwerpunkt Lernstörungen.

Kinder reagierten oft mit Scham auf die Situation zuhause, ihr Selbstwertgefühl leide. Aber dies geschähe, darauf weist Michaela Skrzipale ausdrücklich hin, „ohne dass die Eltern das beabsichtigen. Sie quält ein schlechtes Gewissen.“

Das Bottroper Netzwerk will die jungen Menschen stützen, es will ihnen auch Raum verschaffen, in dem sie einfach mal Spaß haben, das Zuhause ausblenden können. Um die Eltern, so Michaela Skrzipale, werde sich ebenfalls gekümmert, das Netzwerk jedoch richte sich gezielt an die Jüngeren.

Eltern, aber auch Angehörige, Freunde von belasteten Familien, sollten daher beherzt Kontakt zum Netzwerk aufnehmen ( 703773).

Die Finanzierung der vielen Angebote sei erst einmal gesichert, freut sich die tatkräftige Bottroperin, die auch die Aktion Lesepaten mit großem Erfolg aufgebaut hat. „Es gibt für das Netzwerk Stiftungsgelder.“ Zu den Angeboten zählt auch eine Leseförderung und Schreibwerkstatt, die die Heilpraktikerin für Psychotherapie für Kinder und Jugendliche selbst durchführt. „Das ist für Kinder etwa ab der 4. Klasse an aufwärts gedacht.“ Es sei auch eine Möglichkeit für Kinder, die Erlebnisse schreibend zu verarbeiten. Dass Rechtschreibkenntnisse in dem Alter noch nicht überragend sein können, sei dabei nicht ganz so wichtig.

Viel wichtiger sei, dass Erwachsene ein Kind überhaupt erst auf das Angebot aufmerksam machen.

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