Herzensbilder von tapferen Knirpsen

Foto: WAZ

Die Diagnose bekamen die Eltern gleich nach der Geburt. Nur wenige Monate wird ihr Baby leben. Ein Funke Hoffnung auf Heilung? Die Ärzte haben dem Paar nichts vorgemacht. Nachdem der erste Schock überwunden war, beschlossen die Eltern, jeden Moment mit ihrer kleinen Marie (Name und Geschichte geändert) umso intensiver zu genießen.

Wunderbare Momente festhalten

Und die Bilder, die Kerstin Peintinger von Marie und von vielen anderen Kindern geschossen hat, sie erinnern die Familien an ganz wunderbare Augenblicke. Viel Zeit nimmt sich die 41-jährige Gladbecker Fotografin stets für diese besonderen Shootings. Die Bilder, die meist zu Hause bei den Familien entstehen, halten Momente des Glücks und der Zärtlichkeit fest; sie zeigen die kleinen Fotomodelle mit ihren Geschwistern, mit Mama und Papa oder auch alleine.

Kerstin Peintinger ist eine von rund 200 Fotografinnen und Fotografen in ganz Deutschland, die sich dem Verein „Tapfere Knirpse“ angeschlossen haben. „Herzensbilder“ sind das Anliegen der ehrenamtlich in ihrer Freizeit agierenden Berufs-Fotografen: Sie bieten Eltern von schwer kranken und behinderten Kindern an, Bilder von ihrem Nachwuchs zu machen. „Wir wollen Mut machen in schwerer Zeit, schöne Momente als Erinnerung festhalten“, erklärt Tom Scheiker die Motivation. Der Bottroper gehört ebenso wie Kerstin Peintinger zum Kreis der Fotografen des Vereins.

Sich auf diese Weise zu engagieren, dem 45-jährigen Familienvater war es schon seit langem ein Anliegen. Seit Juni fotografiert er „tapfere Knirpse“ im Ruhrgebiet. „Oft scheuen die Eltern den Weg in ein Fotostudio. Oder das Kind ist zu krank für eine solche Strapaze. Dann springen wir ein“, erklärt Scheiker. Der Kontakt zwischen interessierten Eltern und den Fotografen in der näheren Umgebung der Familien kommt über den Verein zustande. Kosten entstehen den Eltern keine, nach der Fotosession erhalten sie eine CD mit den Aufnahmen. Die einzige Bedingung: Es muss wirklich eine schwere Krankheit bei den Knirpsen vorliegen. „Damit ist nicht das gebrochene Bein gemeint“, stellt Kerstin Peintinger klar. Dafür nehmen sich die Fotografen dann auch ganz viel von ihrer freien Zeit für diese besonderen Herzensbilder, besuchen die Familien zu Hause oder gehen auch gern auf die Shooting-Wünsche der „Knirpse“ ein.

Der kleine Rollstuhlfahrer, den Tom Scheiker vor kurzem im Bild festgehalten hat, der hatte sich zum Beispiel „etwas mit Baggern“ gewünscht. Große Baumaschinen sind nämlich die Leidenschaft des Dreijährigen. Tom Scheiker hat ihm diesen Wunsch erfüllt – die Bilder wurden in einer Kiesgrube in Kirchhellen geschossen. „Dafür hat die Firma uns sogar an einem Wochenende das Firmengelände aufgeschlossen und einen Bagger zur Verfügung gestellt.“ Eine größere Freude, so Scheiker, hätte man dem kleinen Rollifahrer nicht bereiten können.

Um die 200 Fotografen setzen sich bundesweit für die „Tapferen Knirpse“ ein. Fürs Ruhrgebiet würden sich Tom Scheiker und Kerstin Peintinger gerne noch Unterstützung von Berufskollegen wünschen. Denn das mögen die Fotografen gar nicht gerne: Den Wunsch interessierter Eltern nach Herzensbildern von ihren Kindern aus Zeitmangel ablehnen zu müssen.

 
 

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