Bottrop

Hautnah, ganz groß

Bottrop. . Weit nach Mitternacht hörte man auf den Straßen der Innenstadt immer wieder Abschiedsrufe und -grüße: „Bye, bye, alles Gute, bis zum nächsten Jahr!“ Dann gilt es, die 10. internationale Gospelnacht zu feiern.

Wer den Ehrgeiz und die Organisationsbereitschaft von Dr. Waldemar Lusch als Gründer des Festivals kennt, der weiß: Mit dem letzten Ton des neunten „Events“ in St. Cyriakus begannen schon die intensiven Vorbereitungen für die Jubiläumsausgabe 2011.

Rund 30 Chöre, knapp 1000 Choristen und Solisten, einige tausend Besucher, drei Konzertorte, zwei Großleinwände, viele Kameras - die Bottroper Gospelnacht am Samstag, der Workshops, Messen und Konzerte mit den Gästen aus beinahe zehn Ländern vorausgingen, wartet mit großem Aufwand, sängerischer Ambition, religiösem Eifer und viel guter Musik auf. Gut?

Zündend und soulig

Diese Klänge sind zündend, kraftvoll, innig, soulig, poetisch, rasant und swingend. Im Auditorium gab es kaum jemanden, der sich nicht anstecken ließ von der Leidenschaft und dem herzhaften Rhythmusgefühl, die die meisten Gospels und Spirituals auszeichnen. Wobei die Nähe zum Jazz diesmal so offenkundig war wie selten zuvor.

Schon um 17 Uhr ging es in der proppenvollen Martinskirche los, ab 18 Uhr wurden der Hauptort (St. Cyriakus) und die intime Kreuzkamp-Kapelle „besetzt“. Zwischen den Stationen pilgerten die Fans, die aus dem gesamten Ruhrgebiet und vom Niederrhein angereist waren, emsig hin und her. Ein bisschen Regennässe, die der verhangene Himmel schickte, konnte diese Wanderung nicht stoppen.

Jeder Musikort bekam ein Etikett: „Gospel hautnah“ hieß es in der Martinskirche, „Gospel Genuss“ in der Kapelle und „Gospel ganz groß“ in Cyriakus: Die Farben, Impressionen und Songs wechselten, doch die Themen und Motive kreisten überall um die christliche Botschaft, die in den Liedern der schwarzen US-Bevölkerung, die die Gospels populär machte, mit Offenheit, fröhlicher Unbekümmertheit und ohne jede Steifheit vermittelt werden. Lusch spricht von „Schönheit und Emotionalität“, durch die die oft traditionellen Werke wirken.

Es gibt eine Welle quer durch Deutschland, die von den USA und England in unsere Städte herüber schwappte: Gospels sind „in“. Überall gründen sich neue Teams, die die Unmittelbarkeit dieser Sakralgesänge als lebendige Kommunikation unter den Zeitgenossen feiern. In Bottrop sind es der Effata-Chor, das „vocalensemble credo“, „inSpirit“ und die Martin Gospel Singers, die sich diesem mitreißenden Stil widmen - sie traten auch im Laufe des langen Abends auf.

Großen Eindruck hinterließen bei diesem immer professioneller werdenden Fest die Solisten James Tolksdorf und Theresa Wagner, der Universitätschor Gleiwitz (Polen), Sonya Whatley, Wayne Ellington und Shellie Powe aus den USA, der Gospel Chor Share aus den Niederlanden, „Living Gospel“ aus Schalksmühle, die Chan-Sängerin aus England und die „Voices of Discipleship“ aus den Vereinigten Staaten. Aber man könnte auch alle anderen Chöre aus Dorsten, Wesel, Düsseldorf, Hamburg. Essen oder aus Belgien und Uganda nennen...

Dass die Gospel-Viren auch junge Menschen befallen, demonstrierte die jüngste Gruppe, die „Gospel-Teens“, gleich zum Start des Musikmarathons. Nur zwei Tage Einstudierungszeit genügten, um die Titel schmissig auf dem Kirchenpodium zu präsentieren.

 
 

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