Glockenspiel wurde Wahrzeichen der Stadt

Von den traditionsreichen Fachgeschäften an der  Hansastraßeüberlebte nur Triffterer. Vor 100 Jahren eröffnete hier Robert Trifftererer sein Juwelier- und Uhrmachergeschäft.
Von den traditionsreichen Fachgeschäften an der Hansastraßeüberlebte nur Triffterer. Vor 100 Jahren eröffnete hier Robert Trifftererer sein Juwelier- und Uhrmachergeschäft.
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop..  Schuhhaus Böhmer, Moden Rickert, Foto Zengeler, Optik Gebauer, Wäschemode Schäfer, Drogerie Frintrop – traditionsreiche Fachgeschäfte an der Hansastraße. Sie alle sind Geschichte. Nur der Juwelier Triffterer bildet die historische Ausnahme, an der Hansastraße 10: eine Familiengeschichte seit 100 Jahren. Doch das Stammhaus der Triffterers stand an der Essener Straße 12. Hier eröffnete Uhrmachermeister Robert Triffterer 1907 sein erstes Juweliergeschäft. Der gebürtige Bottroper hatte erst drei Jahre zuvor in der berühmten Uhrenstadt Glashütte seine Meisterprüfung absolviert.

Vorfahren waren Glockengießer

Indes, an der Essener Straße hielt es Robert Triffterer nur fünf Jahre. Mit kaufmännischem Weitblick erkannte der Handwerker die Entwicklungschancen, die im Kern der aufstrebenden Kohlestadt Bottrop keimten, vor allem mit dem Bau des großen Kaufhauses Althoff (heute Karstadt). 1912 erwarben Robert Triffterer und seine Frau Lilly, sie stammte aus der alten Bottroper Familie Kerkhoff, das Haus Hansa-straße 10. Bis heute das Domizil des Geschäftes Triffterer.

Der Name Triffterer steht in ganz Deutschland für das Uhrmacher- und Goldschmiede-Handwerk. Etwa in Ulm oder München. Auch ein zweites Mal in Bottrop, Ernst Triffterer an der Essener Straße 11. „Die Firmengründer Robert und Ernst waren Vettern“, so Ulrike Triffterer-Korte, die mit ihrem Ehemann Ulrich Korte das Familienunternehmen in dritter Generation leitet.

Den Grundstein für den stets brillanten Ruf des Hauses Triffterer legte Robert Triffterer mit seinem Meisterbrief, den er in Glashütte erwarb. Der Ort in der Nähe von Dresden auch heute noch europaweit als die Uhrmacherstadt, mit einer beispielhaften Ausbildung. Der Name Robert Triffterer ist sogar im heutigen Museumsdorf Glashütte verewigt, entdeckte Ulrich Korte auf einer Geschäftsreise. „Auf einer Wand sind alle Uhrmacher, die in Glashütte ihren Meister gemacht haben, eingetragen, seit dem Jahr 1900. Robert Triffterer war demnach einer der ersten, die dort ihre Meisterprüfung abgelegt haben.“

Pioniergeist bewies auch der Nachfolger von Robert Triffterer – Gert Triffterer, ein Neffe der Familie aus Aschendorf im Emsland. Der gelernte Goldschmied und Uhrmacher, dessen von Hand gezeichnete und geschriebene Meisterarbeit der in Golf geprägte Satz ziert „Gott segne das ehrbare Handwerk“, sorgte 1964 für Aufsehen in dem eher beschaulich-betulichen Bottrop: An der Fassade des Geschäftes wurde ein zwei Tonnen schweres Glockenspiel installiert, mit 26 Glocken und einem Takt schlagenden Bergmann im Zentrum. Das Glockenspiel mit Weltzeituhr (Sydney, Kapstadt, New York) wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt. Es beherrscht 85 Melodien und ist von einem Spieltisch aus wie eine Orgel zu bedienen.

Drei Online-Shops

Gert Triffterer erfüllte sich mit dem Glockenspiele einen Traum: „Mein Vater stammte aus einer alten Glockengießer-Familie in Aschendorf“, verrät Ulrike Triffterer-Korte.

Heute verbindet das Familienunternehmen Tradition und Moderne. Goldschmiedemeister Jürgen Zacharzewski fertigt in seiner kleinen Werkstatt feinen Schmuck. Zum Service gehören Reparaturen von z.B. Ringen und Uhren (auch Großuhren). Im Geschäft pflegt Frau Triffterer-Korte fachkundige Beratung mit ihren zehn Mitarbeitern, darunter drei Auszubildende im kaufmännischen Sektor. „Wir sind ein Vollanbieter mit Uhren und Schmuck auch hochwertigster Marken“, so Ulrich Korte, „gehen aber natürlich auch mit der Zeit, etwa mit drei Online-Shops, die Felix, einer unserer drei Söhne betreut.“

 
 

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