Gefängnisseelsorgerin berichtet über Knast-Alltag in Brasilien

Die Berichte von Schwester Petra Pfaller lassen die Jugendlichen an der Hauptschule Welheim nachdenklich werden. Denn noch immer gehören in brasilianischen Gefängnissen Menschenrechtsverletzungen zum Alltag. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Die Berichte von Schwester Petra Pfaller lassen die Jugendlichen an der Hauptschule Welheim nachdenklich werden. Denn noch immer gehören in brasilianischen Gefängnissen Menschenrechtsverletzungen zum Alltag. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.. Leben im brasilianischen Knast ist hart. Drogen, Gewalt und Korruption gehören zum Alltag. In der Hauptschule Welheim berichtet Gefängnisseelsorgerin Schwester Petra Pfaller über ihre Arbeit.

Die Fotos auf der Leinwand, vorn im Klassenzimmer sind nicht besonders schön. Schmierige Wände, verrostete Gitter, Müllberge im Hof und dazwischen unzählige Menschen – Gefangene im brasilianischen Gefängnis in Goiania. Schwester Petra Pfaller von den Missionarinnen Christi steht vor den Hauptschülern und erzählt aus ihrem Alltag. Seit 21 Jahren lebt sie in Brasilien, seit 17 Jahren ist sie Gefängnisseelsorgerin.

Was sie zu sagen hat, verschlägt auch den vermeintlich harten Jungs die Sprache. Denn humaner Strafvollzug, das sei in Brasilien leider immer noch die Ausnahme. Menschenrechtsverletzungen und Korruption bestimmten den Alltag im Knast. Wer es sich leisten kann, bekomme die Einzelzelle, wer nicht, müsse sehen wo er bleibt. „Ich habe Zellen erlebt, da waren 30 Häftlinge zusammengepfercht. Die waren nachts wach und haben tagsüber irgendwo draußen auf dem Boden geschlafen.“

Allein die Vorstellung, niemals allein zu sein, niemals ungestört zur Toilette gehen zu können, ja gar zu Essen, während direkt daneben jemand auf der Toilette sitzt, da schüttelt es die Schüler. „Stinkt es in den Gefängnissen nicht fürchterlich?“, so die schüchterne Nachfrage. Schwester Petra ist froh, dass ihre Fotos keine Gerüche wieder geben, trotzdem versucht sie, eine Vorstellung zu wecken. „Du weißt doch, wie es manchmal auf öffentlichen Toiletten stinkt. Dann stell dir das um noch 50 Prozent schlimmer vor.“

Das dann auch Drogen und Gewalt problematisch werden, sei fast logische Konsequenz, so die Ordensfrau. „Ich könnte nicht mit Gewissheit sagen, ob ich unter diesen Umständen nicht vielleicht auch zu Drogen greifen würde.“

Aber eines sagt sie auch: „In meiner Zeit als Gefängnisseelsorgerin hat sich etwas verbessert. Wobei oft nur Druck helfe. So habe der Orden und andere Menschenrechtsaktivisten Brasilien mehrmals vor internationalen Gerichtshöfen verklagt. Das Ergebnis: In einem Bundesstaat seien 24 neue Gefängnisse entstanden. „Vorher wurden die Gefangenen teilweise in Eisenbahnwaggons gesperrt.“

Das ihr Engagement nicht überall auf Gegenliebe stößt, weiß sie auch: Morddrohungen habe sie erhalten und man habe versucht, sie als Drogendealerin mundtot zu machen.

 
 

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