Freispruch für angeblichen „Menschenhändler“

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„Menschenhandel“ warf die Anklage dem 38-Jährigen vor. Doch es gab keinerlei Beweis, dass er seine Freundin zur Prostitution gezwungen hatte. Freispruch.

Ein Menschenhändler sollte der schmächtige Bottroper sein, der seine zwei Jahre jüngere Freundin anderen Männern als Prostituierte angeboten haben soll. Doch an diesen Vorwürfen war nichts dran. Auf Kosten der Landeskasse sprach die XVI. Essener Strafkammer den 38-Jährigen frei.

„Menschenhandel“ heißt tatsächlich der Paragraf im Strafgesetzbuch, der die illegale Förderung der Prostitution behandelt. Anfang 2012 hatte das Pärchen sich kennengelernt, kurz danach zog der Angeklagte zu ihr. Schon im März soll er sie gegen ihren Willen im Internet bei „markt.de“ für „Sex gegen Taschengeld“ angeboten haben, behauptete die Anklage. Schläge hätte er ihr angedroht, wenn sie dies ablehne.

Doch so richtig als Opfer präsentierte sich die Frau, die ihrem Ex-Freund körperlich deutlich überlegen erscheint, während der Vernehmung nicht. Sie hätte das immer abgelehnt, sagte sie. Aber auf Nachfragen zeigte sich, dass ihr Widerstand eher klein war. Im Internet stand ihre Handynummer. Wenn die Freier angerufen hätten, will sie sofort gesagt haben, dass sie das nicht wolle. Und dann? „Habe ich meine Adresse preisgegeben.“

50 Euro zahlten die Männer ihr. Das Geld hätte sie ihrem Freund abliefern müssen. Aber dann erzählt sie, dass das Geld für gemeinsame Anschaffungen ausgegeben wurde: Kleidung, Essen gehen, ein Auto finanzieren. Nach mehreren Monaten beendete sie dann die Arbeit als Prostituierte, „weil ich schwanger war“. Ihr Freund hätte gewollt, dass sie weiter arbeitet, aber da setzte sie sich durch. Wie gewalttätig ihr Freund denn war, will Richterin Hannah Deimer wissen. „Geschlagen hat er mich nicht, aber die Hand erhoben.“

Zu dünn erschien auch Staatsanwältin Beke Nossek diese Beweislage. Gezwungen worden sei die Frau wohl nicht, meinte sie, „aber es war ihr bestimmt unangenehm“. Ebenso wie Verteidiger Malte Englert beantragte sie Freispruch.

Das Gericht folgte dem. Die Zeugin sei sicher eine Frau, die sich manchmal schlecht ausdrücken könne, gestand das Gericht ihr zu. Aber, so Richterin Deimer im Urteil, „sie kann sich auch durchsetzen, wenn sie etwas nicht will“. Die Richterin erinnerte weiterhin an die körperliche Überlegenheit des angeblichen Opfers und daran, dass das Geld gemeinsam ausgegeben wurde.

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