Frauenhaus - Eine Zuflucht für alle Frauen in Not

Das Team des Awo-Frauenhauses sammelte anlässlich der Kampagne „Schwere Wege leicht machen“ Unterschriften an einem Info-Stand in der Innenstadt.
Das Team des Awo-Frauenhauses sammelte anlässlich der Kampagne „Schwere Wege leicht machen“ Unterschriften an einem Info-Stand in der Innenstadt.
Foto: Winfried Labus / FotoPool

Bottrop.. „Schwere Wege leicht machen.“ An dieser Kampagne – ins Leben gerufen von der Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser und der Frauenkoordinierung e.V. – beteiligte sich erneut das Bottroper Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt (Awo). An einem Info-Stand in der Innenstadt sammelten die Mitarbeiterinnen am Samstag Unterschriften.

Diese sollen die Forderung an Parlament und Regierung unterstützen, zu gewährleisten, dass alle von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder sichere und schnelle Hilfe in einem Frauenhaus erhalten können. Und das sichergestellt wird, dass alle Frauenhäuser auf gesetzlicher Grundlage finanziert werden und personell gut und barrierefrei ausgestattet sind.

Berechnung nach Tagessätzen

Um sich genauer informieren zu können, lag vor Ort Info-Material aus und die Mitarbeiterinnen halfen bei Fragen weiter. „Zurzeit werden die Kosten für einen Platz nach Tagessätzen berechnet. Das können sich einige Frauen nicht leisten, und wir haben keine Chance sie unterzubringen“, erklärt Sandra Bonzol, Diplom-Sozialarbeiterin. „Die Finanzierung stellt vor allem für Schülerinnen und Studentinnen ein großes Problem dar, da sie selber nicht genug Geld verdienen. Dadurch müssen sie sich oftmals entscheiden, ob sie die schlechte Behandlung, die sie erfahren, aushalten, oder ob sie sich in ein Frauenhaus begeben und ihren Studienplatz dafür aufgeben. Als Studentin hat man nämlich in den meisten Städten keinen Anspruch auf Übernahme der Frauenhauskosten“, erklärte eine Mitarbeiterin. Ein weiteres Problem sei, dass die meisten Frauenhäuser nicht barrierefrei seien, Anfragen von behinderten Frauen also oft nicht angenommen werden könnten. Und auch Asylbewerberinnen kämen nur schwer an Plätze in Frauenhäusern. Ausländerrechtliche Hürden erschwerten hier die weitere Hilfestellung.

Vor diesem Hintergrund kämpft auch das Frauenhaus der Awo in Bottrop um eine unbürokratische, bedarfsgerechte und verlässliche Finanzierung aller Frauenhäuser im Land. „Unser Ziel ist es, dass jede Frau einen Platz bekommen kann, unabhängig vom Status“, so eine Mitarbeiterin.

Die Kampagne ist für die Frauenhäuser daher so wichtig, weil sie einen großen Zulauf haben. Jedes Jahr suchen circa 20 000 Frauen und Kinder Schutz in diesen Einrichtungen. Die massive Gewalt, die sie erfahren, hat oft erhebliche Folgen und belastet die körperliche und geistige Gesundheit der Betroffenen stark. „Es ist einfach schade, dass so vielen Zuflucht Suchenden nicht weitergeholfen werden kann, einfach weil keine Finanzierungsmöglichkeiten bestehen. Eine Frau, die Gewalt erfährt, sollte sich keine Sorgen um die Finanzen machen müssen“, sagte eine Besucherin am Info-Stand. „Meiner Meinung nach sollte es ein Grundrecht sein, bei Gewalterfahrung direkt Hilfe zu erhalten, wenn diese erwünscht ist.“

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