„Frauen Power“ im Wasserwerk

„Frauen Power“: Monika Kirsch (l.) und Bernhardine Lützenburg vor den Frauen mit Hut von Anna Koczy.
„Frauen Power“: Monika Kirsch (l.) und Bernhardine Lützenburg vor den Frauen mit Hut von Anna Koczy.
Foto: FUNKE FotoServices
Heute Abend eröffnet die Kunstgemeinschaft Bottrop ihre Jahresausstellung im RWW an der Gladbecker Straße. In 82 Arbeiten zeigen 25 Mitglieder jetzt ihren Blick auf das schöne Geschlecht

Bottrop..  Männer sind das schöne Geschlecht - so jedenfalls titelte einst die Tageszeitung „taz“ in gewohnt lässiger Provokation. Um die Schönheit des „schönen Geschlechts“ wiederum scheren sich die 25 Mitglieder der Kunstgemeinschaft nun eher weniger, wenn sie unter dem Titel „Frauen Power“ im RWW ab heute ihre Arbeiten zeigen. Die setzen sich - natürlich, möchte man fast sagen - mit ganz anderen Qualitäten von „Frau“ auseinander.

Wer die eindrucksvollen Foto-Porträts von Angelika Schilling betrachtet, in denen Frauen in Peru oder Brasilien scheinbar von innen heraus strahlen oder auf die spannungsgeladenen analogen Fotoarbeiten von Claudia Bendlin trifft, die Frauen beim Bogenschießen in der Mongolei beobachtete, wird ein klassisches Schönheitsideal vergeblich suchen. Kein künstliches Näschen, gerichtete Zähne oder korrigierte Formen springen den Besucher unangenehm aufdringlich an. Dafür aber strahlende Augen oder eine kaum gezähmte Kraft, die unter der Oberfläche zu brodeln scheint. „Frauen Power“.

Powerfrauen sind für manche aber auch die starken Frauen der jüngeren Vergangenheit. Monika Kirsch setzt sich in einer Arbeit mit den Trümmerfrauen im grauen Ruhrgebiet der Nachkriegszeit auseinander. „Ich habe selbst Anfang der 50er Jahre in Gelsenkirchen noch die Trümmergrundstücke gesehen und auch dort gespielt“, sagt Kirsch. Die Erzählungen von den Frauen, die oft mit primitivsten Werkzeugen die Steine sauber klopften, die Trümmer des Bombenkriegs beiseite räumten, haben sie zu ihrem Bild inspiriert, in dem die Frauen sich in bunter Kleidung aber bereits von der grauen Trümmerwüste abheben. In „Getanzte Emotionen“ setzt Kirsch einen Kontrapunkt. Zwei Flamencotänzerinnen stehen sich wie Kampfhennen gegenüber und tanzen um den Mann.

Wie ein kleiner Hausaltar kommt dagegen die Installation „Großmutter spricht“ von Regina Kreer-Ulbricht daher. Zwischen Texttafeln, das Leben einer Flüchtlingsfrau aus Schlesien nach 1945 nachskizziert, blickt eine ältere Frau ein wenig müde aber aufmerksam: Kreer-Ulbrichts Großmutter. „Sie steht für viele namenlose Frauen, die für mich die Starken waren und deren Schicksal sich heute millionenfach wiederholt“, sagt die Künstlerin.

Von klassisch bis exzentrisch

Queen-Mum, die mit 104 Jahren verstorbene Mutter der britischen Königin, hat es Bernhardine Lützenburg so angetan, dass die der alten Dame eine Skulptur aber auch ein Bild widmete. Der exzentrische Hut mit breiter Krempe darf nicht fehlen. Rita Ehrenbergs Mixed Media Collage „Parts of Life“ setzt sich mit dem zerbrechen von Leben und Wirklichkeit bei einer an Demenz Erkrankten auseinander. Jürgen Behfeld sieht in seinem für ihn typisch collagiertem Bild das Huhn als „Powerfrau“. Kurzum: Die Jahresschau zeigt Variationen des Themas, das auch dem klassischen Akt oder der Tanzenden Raum gibt.

Eröffnung: Dienstag, 30. Juni, 19 Uhr. RWW, Gladbecker Straße. Zu sehen bis 14. August, Montag bis Freitag, während der Bürozeiten.

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